Wunderwelt-Südindien
Von: Marina Elsholz
Farbenfrohe Wunderwelt Südindien.
Ein Reisebericht unserer Mitarbeiterin Marina Elsholz.
Wer einmal in Indien war, den lässt das Land nicht mehr los, er fährt immer wieder hin. Könnte zutreffen, ich konnte es jedenfalls nicht abwarten, wieder nach Indien zu reisen. Habe ich im letzten Jahr Rajasthan besucht mit unzähligen Märchenpalästen, sollte es diesmal der Süden sein. Ich wollte unsere Tour „Zauberhaftes Südindien“ erkunden, nach den schönsten Hotels für Sie Ausschau halten und auch neue Ecken entdecken.
Ich hatte vorher gehört, dass es im Süden ganz anders sein soll – bei einem so riesigen Land sicher nicht verwunderlich. Und in der Tat, schon der erste Eindruck war wie in einem anderen Land. Statt trockenen Wüstenwinden tropisch heiße Luft, statt karger Landschaften üppiges Grün selbst in den Städten. Eines haben jedoch Nord und Süd gemeinsam: eine überwältigende Farbenpracht auf den Straßen, Frauen in den schönsten Saris, bunte Märkte voller intensiver Gerüche – ganz Indien ist eine Reise für alle Sinne, voll mit traditionellem Leben und den schönsten Stätten des Welterbes in der Kultur und Natur.
Meine erste Station ist Chennai in Tamil Nadu. Das frühere Madras ist eine lebhafte Großstadt mit vielen Geschäftsstraßen und netten Läden, etlichen schönen Kolonialgebäuden neben modernen Hochhäusern, aber auch einer Vielzahl hübscher Gärten und einem Strand entlang der Marina. In Chennai steht auch die wunderhübsche gotische San-Thomé-Basilika, der Apostel Thomas, genannt „Apostel von Indien“, hat hier gewirkt und ist in der Krypta begraben.
Weiter geht es an der Küste entlang nach Mahabalipuram, dem ersten Weltkulturerbe meiner Reise mit dem hübschen Strandtempel und den neun Rathas. Dies sind entzückende kleine Tempel, üppig verziert mit Reliefs, die jeweils aus einem riesigen Felsblock gearbeitet wurden – kaum vorstellbar, wie solche Arbeiten vor 1.300 Jahren möglich waren, ob das wohl heute noch jemand könnte? Das Highlight sind aber die Höhlentempel mit fantastischen Basreliefs von unzähligen Göttern, Asketen und Tieren, direkt in und auf den Fels gemeißelt und überaus lebendig.
Nicht weit entfernt liegt die kleine Tempelstadt Kanchipuram, eine der heiligen Städte der Hindus, ein endloser Pilgerstrom zieht durch den reich geschmückten Shiva-Tempel Ekambareshva. Kanchipuram ist aber auch in ganz Indien für die Seidenweberei bekannt, es macht Spaß, die schimmernden Saris in den Läden zu bewundern.
Auf der Fahrt nach Tanjore halte ich in Chidambran, wieder ein farbenfroher, riesiger Tempelkomplex voller Leben. Die Tempeltürme sind mit hunderten bunten Figuren aus der unüberschaubaren Götterwelt der Hindus geschmückt, im Innern quirlt das Leben. Zunächst war diese Atmosphäre, die so gar nichts mit der andächtigen Stille in unseren Kirchen gemein hat, ziemlich ungewohnt. Aber so langsam finde ich Gefallen an der Art, wie der Glaube mit dem Alltag verbunden wird. Es macht einfach Spaß hier zuzusehen. Und es warten noch einige dieser Tempel auf mich. In Tanjore oder Thanjavur z. B. wieder ein Weltkulturerbe - zurecht – der 1.000 Jahre alte Brihadishvara-Tempel ist wunderschön aus hellem Granit, mit einem riesigen Turm und vielen Schreinen. Besonders im Licht der Abendsonne erstrahlt die ganze Pracht der Steinmetzarbeiten.
In Trichy (Tiruchirapalli) wird es dagegen wieder bunt. Mit 60 ha ist der Ranganatha-Tempel einer der größten Komplexe Südindiens. 21 imposante Tore beherrschen die Anlage, von einem Bereich kommt man in den nächsten, in einigen Hallen gibt es kleine Restaurants und viele Geschäfte und irgendwann erreicht man den heiligen Bezirk – dieser ist allerdings wie in den meisten Tempeln für Nichthindus gesperrt. Einen richtigen Überblick über die gewaltige Anlage erhält man erst auf einem der Dächer, die letzten der bunten Türme sind in weiter Ferne zu erspähen.
Nach all den Eindrücken brauchen meine Sinne eine Pause, ich fahre in die ländliche Region Chettinad. Mal raus aus den quirligen Städten, einfach in einem Dorf über den Markt bummeln, in einem schönen Hotel am Pool entspannen und die ganzen bunten Bilder der letzten Tage sacken lassen. Aber ein bisschen Kultur muss sein, Chettinad ist bekannt für große prächtig verzierte Villen reicher Kaufleute.
Bei jedem Tempel denke ich, noch größer, bunter, schöner, überwältigender geht nicht. Und dann fahre ich weiter, zur letzten Station in Tamil Nadu nach Madurai, und stehe wieder staunend vor einem gewaltigen Tempel, dem ungeheuer großen Minakshi-Sundareshvara. Leider sind die vier Tortürme mit Kokosmatten verhängt, bis Ende 2009 werden sie für ein ganz besonderes Fest restauriert und frisch angemalt. Aber das stört den gesamten Eindruck nur wenig, der sichtbare Teil entschädigt mit kleineren bunten Türmen, riesigen Hallen, in denen man sich verlaufen kann und unzähligen Schreinen, vor den Gläubige andächtig ihre Opfergaben niederlegen. Ganz besonders beeindruckend ist die abendliche Zeremonie, wenn die Statue von Shiva in einer Sänfte aus seinem Schrein zu seiner Gemahlin Minakshi getragen und dort gemeinsam mit ihr zur Nachtruhe gebettet wird.
