China / Yunnan

Von: Marina Elsholz

Vom tropischen Regenwald zum Hochgebirge.


Ein Reisebericht unserer Produktmanagerin Marina Elsholz.

Wieder einmal zog es mich nach China. Auch wenn ich schon oft in diesem Land war, verliert es mit seiner Vielfalt an Landschaft, Kultur und Menschen nicht seine Faszination für mich. Und immer wieder etwas Neues zu entdecken, ist in diesem Riesenreich nicht schwer!
Diesmal war ich im Südwesten, im „Land südlich der Wolken“ Yunnan unterwegs. Von Bangkok aus flog ich über die Provinzhauptstadt Kunming nach Jinghong im autonomen Bezirk Xishuangbanna, dem südlichsten Zipfel von China. Umgeben von Laos und Myanmar, fühlt man sich hier eher wie in einem der südostasiatischen Länder – mit Tuk Tuks, Frauen im Sarong, Dschungel und subtropischem Klima. Man kann auch sehr gut China mit seinen Nachbarn verbinden, die Straße von Jinghong durch bewaldete Berge Richtung Süden ist sehr gut ausgebaut, in gut drei Stunden erreicht man die Grenze nach Laos, und nach unproblematischen Formalitäten ist man in den Bergen von Nordlaos. Ganz soweit bin ich aber nicht gefahren, sondern nur bis Menglun. Die kleine Stadt selbst ist unspektakulär, aber weltweit bekannt unter Biologen für den riesigen Botanischen Garten. Allein der tropische Regenwald ist so groß wie ganze Gärten bei uns, er wirkt überhaupt nicht künstlich angelegt, sondern mit den vielen Vögeln, Zikaden und sogar Schlangen, die sich inzwischen angesiedelt haben, wie völlig natürlich gewachsen. Dazu kommen noch Bambus-, Ficus-, Palmenwälder, Blumengärten, Orchideen, Heilpflanzen... Auch weniger enthusiastische Pflanzenfreunde werden hier begeistert sein. Und wenn man dann noch in dem netten Hotel mitten in dem Botanischen Garten übernachtet, hat man die ganze Pracht ab Toresschluss am Abend und in den frühen Morgenstunden ganz für sich allein.
Zurück nach Jinghong bin ich über hübsche Nebenstraßen gefahren mit kleinen Dörfern und durch üppige Wälder. Jinghong ist selbst für unsere Verhältnisse eine Kleinstadt, mit schönen Parks und einladenden Palmenalleen. Vor allem ist es aber Ausgangspunkt für Besuche in Dörfern der ethnischen Minderheiten. Minderheiten – das gilt jedoch nur auf ganz China gesehen. Hier sind die Hani und Dai in der absoluten Mehrheit. Dai – Thai, schon der Name deutet die nahe Verwandtschaft an, tatsächlich stammen die Thai ursprünglich aus dieser Gegend. Vor allem in der Nähe von Menghai gibt es viele der alten traditionellen Dörfer und farbenfrohe Märkte zu sehen.
Ein Höhepunkt ist aber auch der Besuch im Elephant Valley Nationalpark. In dem einzigen tropischen Regenwald Chinas (abgesehen von der Insel Hainan) leben hier die letzten ca. 300 wilden Elefanten des Landes. Allerdings ist die Chance, eines der Tiere zu sehen, sehr gering, außer man übernachtet äußerst spartanisch mitten im Park direkt an einer der Wasserstellen. Aber frische Fußspuren und andere Hinterlassenschaften bezeugen die Anwesenheit der grauen Riesen. Auch ohne direkten Kontakt mit Elefanten ist der Park sehr schön. Im Eingangsbereich gibt es einen kleinen Zoo mit Vogel-Freiflughalle und Schmetterlingshaus. Und mit einer Seilbahn schwebt man dann ca. 35 Minuten über den Baumwipfeln mit einer grandiosen Aussicht, die Urwälder scheinen endlos zu sein.  
Nun ging es aus dem Flachland mit dem Flugzeug zu der Weltkulturerbestätte Lijiang. Die überaus sehenswerte Altstadt mit einem Geflecht schmaler Gassen und Kanäle ist ein „Muss“ jeder Reise in den Yunnan. Die vielen Holzhäuser mit Cafés und Werkstätten traditioneller Handwerker in diesem verwinkelten Straßenlabyrinth sind einfach hübsch. In der Umgebung lebt eine andere Minderheit, die Naxi. Bis vor kurzem waren sie noch matriarchalisch organisiert, diese Einflüsse sind in den Dörfern immer noch spürbar.
Lijiang liegt bereits ca. 2.200 m hoch und an einem gewaltigen Gebirgsmassiv. Also auf in die Berge! Mehrere Seilbahnen fahren am Jadedrachen-Schneeberg, ich habe die mittlere Variante gewählt, die immerhin auf 3.800 m fährt. Hier gibt es ein kleines tibetisches Kloster und – ganz erstaunlich für Nordeuropäer – in dieser Höhe auch noch Grün, die Baumgrenze liegt über 4.000 m hoch und die bizarren Felsformationen scheinen weit entfernt. Ganz Wagemutige können mit dem höchsten Lift Asiens bis in die Gletscherzone in 4.500 m Höhe fahren, zum 5.500 m Gipfel geht es dann nur noch für Bergsteiger zu Fuß.
In Lijiang habe ich mir auch etwas Besonderes gegönnt: eine Nacht im absoluten Luxus des Banyan Tree Hotel. Diese wunderschöne, großzügige Anlage außerhalb der Stadt ist komplett im Naxi-Stil gehalten, die grauen Schieferhäuser gruppieren sich um einen kleinen Teich mit Blick auf den Schneeberg. Die Villen lassen keine Wünsche offen, bis hin zu Räucherkerzen, -stäbchen und sogar einem antiken Majongspiel ist in den superschicken chinesisch-modern eingerichteten Zimmern wirklich alles vorhanden. Und beim Sonnenaufgang gab es sogar einen wunderschönen Blick auf den sonst zur Wetterseite Richtung Lijiang meistens Wolken verhangenen Berg!
Eine weitere Chance, die Gipfel des Schneebergmassivs zu sehen, hatte ich bei der Weiterfahrt Richtung Norden. Durch Täler mit schöner Landschaft, grünen Bergen und kleinen Dörfern geht es zur „Rückseite“ und hier bietet sich eine Traumsicht auf die gewaltigen Berge, am liebsten hätte ich nach jeder Kurve wieder angehalten. Mein erstes Ziel war die Tigersprungschlucht des Yangtze, eine der tiefsten Schluchten Chinas, die Gipfel zu beiden Seiten sind rund 4.000 m hoch. Ein Tiger soll hier der Sage nach seinem Jäger durch einen Sprung über den Fluss entkommen sein. Man kann in zwei Tagen hinunter wandern, ich zog es jedoch vor, soweit wie möglich mit dem Auto zu fahren und dann über angelegte Treppen mit 400 Stufen hinunter zu steigen. Die Mühe lohnt sich: unten ist es gewaltig, das Wasser kocht und schäumt über die Felsen, solch wilde Stromschnellen habe ich wirklich noch nie gesehen! Auf dem Rückweg machte ich es mir (und meinen Knien) einfacher, wie überall an solchen Orten in China gibt es auch hier Sänften, in denen man sich hoch tragen lassen kann.
Weiter ging es immer höher hinauf bis ins vortibetische Hochland, hier soll das einzig wahre Shangri-La sein. Und in der Tat ist die Landschaft einfach idyllisch, weite Hochebenen lassen den Blick endlos schweifen über grüne Hügel, Felder und Wiesen mit struppigen Ponys und Yakherden. In den kleinen Dörfern stehen massive Häuser in typisch tibetischer Bauweise mit bunt bemalten Fassaden, ringsum sind die bewaldeten Hänge der hohen Berge zu sehen. Der Himalaya ist nahe, Shangri-La liegt bereits rund 3.200 m hoch. Aber durch das viele Grün ist hier die Luft nicht ganz so dünn, ich hatte kaum Probleme, es ging nur alles langsamer als gewohnt.
Die Hauptstadt der Autonomen Tibetischen Region Diqing, Zhongdian (oder Diqing) hat eine hübsche Altstadt, am Stadtrand steht das mit mehr als 600 Mönchen größte tibetische Kloster Südchinas Songzanlin. Dieser auch „Kleiner Potala“ genannte gewaltige Bau erinnert wirklich stark an Lhasa, zu den Hauptgebäuden führen ca. 100 Stufen hoch und die goldenen Dächer über den schneeweißen Fassaden glänzen in der Sonne. Überhaupt fühlt man sich wie in Tibet: alles ist zweisprachig beschriftet, 80% der Menschen hier sind Tibeter und tragen vor allem in den Dörfern ihre traditionelle Kleidung.
Nicht typisch für Tibet sind allerdings die vielen Wälder, ein Ausflug in die Berge mit wunderschöner Landschaft und kristallklaren Bergseen darf nicht fehlen.
Zum Abschluss meiner Reise noch einmal Luxus pur im Banyan Tree Ringha. Die Anlage liegt mitten in der Natur an einem kleinen Fluss, am anderen Ufer grasen Yaks, in der Nähe lädt ein nettes Dorf zu einem Spaziergang ein. Die einzelnen an einem Hang verteilten Gebäude sind alte tibetische Bauernhäuser, die hier wieder aufgebaut wurden. Die riesigen Zimmer sind in einem Mix aus Antiquitäten und modernen tibetischen Möbeln eingerichtet und dekoriert, auch die hölzernen Fußböden, Decken und Wandvertäfelungen sind original aus alten Häusern. Es war ein traumhafter Ausklang einer wieder mal wunderschönen Reise, als ich am letzten Abend auf der Terrasse den Sonnenuntergang genoss, mit einem herrlichen Blick auf die fernen Berge, nur das leise Rauschen des Flusses und die Glocken der Yaks waren zu hören – Shangri-La!

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