Reisebericht Myanmar Rakhine
Von: Familie Zacher
Wir sind von den Menschen und der Ursprünglichkeit Myanmars bezaubert. Bei unseren ersten beiden Reisen haben wir uns die must-go’s für Touristen angesehen: Mandalay, Bagan, Inle See und den goldenen Felsen. Diesmal wollten wir tiefer eintauchen und haben eine 1-wöchige Rundreise durch Rakhine bei Geoplan gebucht. Land und Leute pur und abseits von allen Touristenpfaden.
Wir sind von Yangon nach Sittwe geflogen und von dort ging es mit unserem Guide Salai in einer 5-stündigen Bootsfahrt nach Mrauk U. Dort erwartete uns schon unser „Rolls Royce“, ein roter Jeep etwas älteren Baujahrs. Damit waren wir die nächsten 4 Tage unterwegs und unser Fahrer meisterte alle Tücken und Hindernisse. Außerdem hatten wir noch einen „Bordingenieur“ dabei, der für die Technik verantwortlich war. Sein Einsatz war aber vielfältig: er „reparierte“ auch eine der Holzbrücken, damit wir darüber fahren konnten oder jagte auch schon mal eine Horde Enten von der Straße.
Gleich zu Beginn der Rundreise sollte es ein Highlight zu sehen geben: 5 Buddhaminiaturen und einen Zahn Buddhas im Bandolla Kloster. Als wir dort ankamen wurde viel palavert und alles, was wir verstanden hatten war, dass wir wegen irgendwelcher VIP’s heute nichts zu sehen bekommen. O.k., dann kommen wir eben in 3 Tagen wieder.
Wir haben dann verschiedene Tempel und Pagoden besichtigt und waren wieder von der Vielfalt, von der Kunst und der Haltbarkeit der uralten Farben und von der Offenheit und Freundlichkeit der Menschen total begeistert. Sie sind genauso neugierig auf uns wie wir auf sie. Und auch wenn wir uns nur mit Händen und Füßen und über Salai mit ihnen verständigen konnten, waren es doch sehr eindrucksvolle Begegnungen für uns. Wir sind dort als Touristen auch wirklich aufgefallen und wir hatten den Eindruck, dass wir die einzigen sind. Tagsüber haben wir bei unseren Rundfahrten keinen einzigen anderen Touristen gesehen. Nur abends im Hotel waren noch 3 andere Europäer. So macht uns reisen richtig Spaß!
Am nächsten Morgen ging es mit einem kleinen Boot in 3 Std. zu zwei verschiedenen Minderheitendörfern der Lay Too Chin. Unterwegs konnten wir viel einheimisches Leben beobachten: Frauen haben am Fluss Wasser geholt, haben Wäsche und ihre Kinder gewaschen und auch selbst ein Bad genommen. Tiere wurden gewaschen und getränkt, Mönche haben ihre Roben gewaschen und kleine Kinder haben im Wasser herumgetollt. Überall waren kleine Felder mit Gemüse am Flussufer, die von den Einheimischen bestellt wurden. Alles sehr malerisch.
Bei den Lay Too Chin war es früher Sitte, dass die Mädchen im Alter zwischen 9 – 12 Jahren im ganzen Gesicht tätowiert wurden. Es entsprach ihrem Schönheitsideal. Da aber die hygienischen Verhältnisse nicht so gut waren, sind dabei leider viele Mädchen an Infektionen gestorben, so das die Regierung das Tätowieren 1950 verboten hat. Es gibt aber noch ein paar ältere Frauen, die tätowiert sind. Wir sind sehr nett und freundlich in den Dörfern aufgenommen worden und auch hier waren wir wieder die einzigen Touristen. Wir durften uns auch ihre Häuser von innen ansehen. Sie sind auf Stelzen gebaut und sehr einfach. Eine kleine „Küche“, ein paar Decken und etwas Krimskrams, ein paar Vorräte und das war’s. Die Frauen sind wirklich faszinierend: würdevolle Gesichter mit unterschiedlich tätowierten Mustern, oft extrem ausgeleierte Ohrläppchen mit großen Ringen und fast immer eine Zigarre oder Pfeife im Mund!
Dann ging es wieder zurück nach Mrauk U und wir haben den Tag wieder im sehr schönen Moe Cherry Restaurant ausklingen lassen. Die Inhaberin kümmert sich sehr liebevoll um ihre Gäste und nimmt auch gerne Sonderwünsche entgegen. Es gibt bekanntes: sehr leckere Minikartoffeln, leckeres Gemüse und Fisch und Meeresfrüchte in allen Variationen und sogar einen guten trockenen einheimischen Weißwein. Es gibt aber auch unbekanntes zu entdecken: z.B. gebratene Cotton Flower, die uns auch sehr gut geschmeckt hat.
Der nächste Tag sollte unser härtester werden. Zunächst ging es mit unserem „Rolls Royce“ auf einer abenteuerlichen Holperstrecke mit total verschärften Brücken aus ein paar Holzbohlen nach Kyauktaw. Unterwegs das absolute Landleben: right in the middle of no-where. In Kyauktaw steht das Nationalheiligtum von Rakhine: die Mahamuni Paya. Es ist eine der bekanntesten von ganz Myanmar und wird von Buddhisten der ganzen Welt verehrt. Und wieder waren wir die einzigen Touristen! Und es war für uns beeindruckend zu beobachten, mit welcher Inbrunst und tiefen Gläubigkeit die Einheimischen dort gebetet haben und Blumen, Obst und Kerzen gespendet haben.
In der Nähe von Mrauk U haben wir dann ein Dorf der Mro besichtigt. Sie sind berühmt für ihre Webereien. Das know-how und die Herstellung der Muster wird innerhalb der Familien immer von der Mutter an die Töchter weiter gegeben. Wir durften ihnen beim weben zusehen und es ist absolut faszinierend, wie sie an diesem Monstrum von Webrahmen so filigrane und perfekte Muster herstellen. Als Andenken haben wir uns einen Tischläufer mitgebracht. Es hat richtig Spaß gemacht. Die Menschen sind unglaublich nett und trotz aller Verständigungsschwierigkeiten haben wir alle viel gelacht.
Danach haben wir unsere strapazierten Popos wieder in den „Rolls Royce“ geschwungen und sind in eine sehr schöne Tempelgegend in der Nähe unseres Hotels gefahren. Und wieder ist es absolut beeindruckend! Es gibt u.a. eine Pagode der 80.000 Buddhas. In der Mitte ist ein Tempel mit einer 3 m hohen Buddhafigur und sehr vielen kleinen Figuren. Drumherum gibt es sehr schmale Gänge, in denen sich wiederum unzählige Buddhafiguren befinden. Aber es gibt auch noch anderes: Tiere, Tänzerinnen, Phantasiefiguren und natürlich auch wieder einen Fußabdruck Buddhas. Daneben steht die Andaw Pagode. Auch aus Sandstein und von 1521!!! Der Nachmittag verging also mit Besichtigungen. Was einen dabei total verrückt macht sind die unterschiedlichen Namen. Alte und neue Namen und von beidem völlig verschiedene Schreibweisen. Aber dank Salai haben wir so halbwegs den Überblick behalten.
Am folgenden Tag haben wir morgens den Markt in Mrauk U besucht. Fotomotive ohne Ende! Und viele lustige Kleinigkeiten: z.B. haben die Reisstände 2 Maße. Diese Maße sind seit vielen Jahren etabliert: eine kleine Dose Kondensmilch ergibt 4 x genau das Maß einer Dose Milchpulver. Darauf ist das ganze Verkaufssystem aufgebaut. Falls die Firmen jemals auf die Idee kommen sollten die Größe der Kondensmilch- oder Milchpulverdosen zu ändern oder die Produktion ganz einzustellen, bricht das gesamte Handelssystem zusammen!
Danach haben wir unseren 2. Versuch zur Besichtigung der Heiligtümer im Bandolla Kloster gestartet. Es wurde leider wieder nichts. Aber diesmal wurde uns genauer erklärt, wo das Problem liegt. Diese Reliquien sind sehr heilig und deshalb gibt es 2 VIP’s von der Regierung, die jeweils einen Schlüssel zu dem Fort Knox Safe haben. Beide müssen anwesend sein, damit der Safe geöffnet werden kann. Und nun war wieder einer nicht da. Keine 2 Schlüssel = keine Besichtigung. Großes Palaver, weil die Mönche auch nichts näheres wussten. Aber Salai war hartnäckig und hat für 5 Uhr nachmittags unseren 3. Termin vereinbart. Und dann waren wirklich beide VIP’s da und sie haben den Safe für uns geöffnet. Wieder waren wir die einzigen Touristen. Wir sollten uns auf den Boden setzen. Sie legten uns ein Taschentuch auf den Kopf und setzten uns eine Art Krone mit dem Buddhazahn auf den Kopf. Wir durften uns etwas wünschen und das sollte dann in Erfüllung gehen.
Dann kamen die 5 Miniaturbuddhafiguren. Sie sind zwischen 1400 – 1800 Jahre alt und wurden in einer kleinen goldenen Schatulle in einem Fluss gefunden. Sie sind so winzig, dass wir große Lupen bekommen haben, um sie überhaupt sehen zu können. Und mit der Lupe konnten wir erkennen, dass sie trotz ihrer Winzigkeit alle richtige Gesichter, Hände und Gewänder hatten. Wie haben die das nur damals gemacht? Einfach unglaublich, wie sie vor so langer Zeit etwas so kleines und feines aus Gold herstellen konnten.
Und erstaunt hat uns auch, dass wir diese Heiligtümer einfach berühren und fotografieren und filmen durften. Und das auch noch so lange wir wollten. Die Warterei und der 3-malige Anlauf haben sich doch gelohnt! Vor allem weil sie uns erzählt haben, dass nebenan ein Raum hergerichtet wird. In der Mitte steht dann eine Vitrine und darin werden die Figuren und der Zahn eingeschlossen und sie können nur noch aus größerer Entfernung betrachtet werden. An einem einzigen Tag im Jahr sollen sie nur noch herausgeholt werden. Schön, dass wir sie noch anfassen und von nahem sehen konnten!
An unserem vorletzten Tag sind wir mit dem Boot nach Sittwe zurückgefahren. 8 Std. Fahrt, aber dafür haben wir auch noch 2 sehr interessante Besichtigungsstopps eingelegt. Zuerst im Laung Shay Village (Khami), wo wir richtig malerisches Dorfleben erleben konnten. Der 2. Stopp war an der Urrit Taung Pagode. Und wieder viele schöne Fotos.
In Sittwe haben wir auf dem Weg zum Hotel noch gleich ein altes Kloster besichtigt, in dem auch noch Mönche wohnen.
Den letzten Tag der Rundreise haben wir zunächst mit der Besichtigung von Sittwe verbracht. Aber um ganz ehrlich zu sein: nach den Highlights der Rundreise war das alles ganz nett, hat uns aber nicht wirklich vom Hocker gehauen. Wir hatten auch nur noch Strand im Kopf: ab nach Ngapali zum relaxen und erholen!
Und trotzdem: auch wenn es etwas anstrengend ist, morgens zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr aufzustehen und den ganzen Tag bis abends unterwegs zu sein. Wir sind für alle Anstrengungen 1000-fach entschädigt worden: wir durften eine ganz ursprüngliche Welt entdecken. Manchmal fühlten wir uns wie durch eine Zeitmaschine ein paar hundert Jahre zurückversetzt: archaische Geräte, alles Handwerk und Handarbeit! Und eine Freundlichkeit und Achtsamkeit der Menschen für ihre Mitmenschen, von der wir uns nicht nur eine Scheibe abschneiden sollten!!!
