Faszinierendes Südindien

Von: Romy Ganschow

Faszinierendes Südindien

Ein Reisebericht von Romy Ganschow.

Was macht eine Reise nach Kerala so besonders? Vergleichend zu dem Klassiker Indiens, dem Goldenen Dreieck, sind die Menschen wesentlich authentischer und das Naturschauspiel ist berauschend. Meine Reise führte mich ausgehend von Cochin über Periyar und die Backwaters nach Kovalam, bekannt für seine Ayurveda Resorts.
Cochin, attraktiv gelegen auf mehreren Landzungen und Inseln ist bis heute noch einer der bedeutendsten Häfen der Malabar Küste. Durch die jahrhundertlange Herrschaft der Portugiesen und Holländer ist es gegenwärtig ein Schmelztiegel der verschiedensten  Kulturen und Religionen. Ich empfehle Ihnen einen Rundgang beginnend an der St. Francis Church, der ersten europäischen Kirche auf indischem Boden, und weiter entlang am nördlichen Ufer des Ford Cochin. Das Ufer ist von Fischernetzen gesäumt, kompliziert auf Holz gebauten Konstruktionen, die eine Stärke von 4 Männern bedarf, um sie aus dem Wasser zu ziehen. Touristen werden gern dazu gebeten,  die ersten Berührungsängste mit den Einheimischen schwinden schnell. Einen Besuch des Dutch Palaces sollten Sie sich aufgrund der Malereien und Innenausstattung nicht entgehen lassen, obwohl der recht schmucklose Bau dies nicht vermuten lässt. Der Rundgang endet in der jüdischen Synagoge in einem malerischen Antiquitätenviertel, wo das eigene Verhandlungsgeschick und das Portemonnaie auf eine erste harte Probe gestellt werden. Kleine gemütliche Cafés säumen die Gässchen und laden zum Verweilen ein.  Die Übernachtung empfehle ich in den zentral gelegenen Häusern Brunton Boat Yard oder Koder House. Beide Häuser spiegeln auf ihre Weise den Charme und den Stil der Region wieder. Der Abend sollte mit einem Besuch des berühmten Kathakali Tanzes abgerundet werden. Dieser Tanz ist eine faszinierende Mischung aus Drama, Tanz, Musik und Ritual, der ausschließlich  Männern vorbehalten ist. Es werden farben- und kostümreich Geschichten aus dem Ramayana erzählt.
Meine Reise führte mich weiter in das Periyar – Wildschutzgebiet, gelegen im Hochland der Western Ghats. Der Weg dorthin führt vorbei an Gummi- und Teeplantagen und durch Dörfer, die indischer nicht sein könnten. Bilder der absoluten Armut und des Indiens, welches Medien in unserem Kopf projizieren, sucht man in Kerala allerdings vergebens.
Das in den Kardamom Bergen gelegene Reservat beeindruckt durch seinen weit verzweigten Stausee, der per Boot zur Erkundung einlädt. Der künstliche See gleicht durch seine aus dem Wasser ragenden Bäume eher einer Mondlandschaft und schafft somit viele reizvolle Fotomotive. Einen Tiger, davon soll es im Park angeblich 50 geben, suchte mein Auge allerdings vergebens. Für die Aktiven lädt der Naturpark zu ausgiebigen Wanderungen ein und ortsansässige Gewürzgärten öffnen Neugierigen nicht nur Augen und Münder. Die Hotels bieten ayurvedische Kurzprogramme an und verschaffen so eine Erholung innerhalb von 2 Tagen.
Auf dem Weg nach Kumarakom, dem Ausgangspunkt für die spektakuläre Reise auf den Backwaters, passiere ich eine indische Hochzeit.  Beim Fotografieren dieses eher schlichten und farblich dezenten Festes wurde ich als Gast zu der Hochzeitsgesellschaft eingeladen und kam in den Genuss eines landestypischen Mahls. Das Essen wird auf Bananenblättern aus 10-Liter-Eimern serviert und - doch etwas ungewohnt - mit den Händen zu sich genommen. So wurde ich das Zentrum der Aufmerksamkeit und auf diversen indischen Fotohandys verewigt. Das Erlebnis schloss mit einem wunderschönen Bild mit Brautpaar und Brauteltern. In Kumarakom ließ ich mich 2 Tage lang in einem Ayurveda Resort verwöhnen. Typisch für diese Region sind die mit aufwändigen Schnitzereien verzierten Rebuild Houses, die in fast jedem Resort zu finden sind. Es sind Häuser oder teilweise ganze Dörfer, die im Landesinneren abgebaut werden, aufwändig restauriert und als Bungalow oder Villa eines Hotels in Stand gesetzt werden.  Ergänzend zu den Ayurveda-Angeboten wird eine entsprechende Küche gereicht und für die Kochbegeisterten wird die Zubereitung diverser indische Mahlzeiten in Kursen gelehrt.

Die Fahrt auf den Backwaters, dem weitverzweigten Wasserstraßennetz mit seinen Lagunen und Seen ist unangefochten ein Highlight einer jeden Südindienreise. Unterwegs bieten sich Anblicke, die noch lange im Gedächtnis haften bleiben: Das satte Grün der Reisterrassen gepaart mit den am Ufer stehenden Kokospalmen. Einheimische bei der Verrichtung ihrer täglichen Arbeiten auf dem Feld, an den Ufern und auf dem Wasser. Kinder, die ausgelassen im Wasser spielen und durch laute Rufe jeden Gast willkommen heißen. Die Backwaters als Lebensraum. Die Hausboote verschiedenster Kategorien bieten einfachen Komfort und werden von einer mehrköpfigen Crew betreut, die nicht nur das Boot führt, sondern Sie außerdem bekocht und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich empfehle Ihnen, bei den Fischern frischen Fisch zu kaufen, ihn sich an Bord zubereiten zu lassen und bei Sonnenuntergang zu genießen, wenn sich die Stille über das Wasser senkt und die Naturkulisse den romantischen Rahmen bietet. Die kleinen Futonbetten (ab 4 Sterne) hinter dem Steuermann laden dazu ein, sich niederzulassen und das Leben am Ufer passieren zu lassen. Ich empfehle Ihnen eine 2tägige Tour, die sich wunderbar in Ihren Reiseverlauf integrieren lässt und Ihnen die Faszination dieser Region nah bringt.
Meine Reise fand ein Ende im Badeort Kovalam. Diese Region zeichnet sich durch seine goldgelben und palmengesäumten Strände aus, die zu ausgiebigen Spaziergängen einladen. Es kann gut sein, dass Sie auf dem Wege von Kindern zum Fußball spielen oder von Fischern zum Fangeinholen gebeten werden. Die Hotellerie in der Region bietet eine gesunde Mischung aus gehobenen Niveau und einfachen Häusern, die den ayurvedischen Standards unterliegen - wie z. B. ohne Klimaanlage und ohne Pool. Nutzen Sie die Möglichkeit bei einem längeren Aufenthalt, den Einklang zwischen Ihrem Körper und Geist herzustellen und neue Kraft zu schöpfen. Die Kuren werden entsprechend ärztlich betreut und durch eine ergänzende Küche kulinarisch abgerundet. Auch empfehle ich Ihnen die Offerten der örtlichen Schneider wahrzunehmen. Für Herren werden wunderschöne Kurta, regionstypische bis zum Knie reichende Hemden aus Leinen oder anderem gewünschten Material gefertigt. Einen farbenfrohen Sari oder eine Kombination aus knielanger Bluse, Leinenhose und Schal, dem sogenannten Punjabdress sollte sich auf jeden Fall im Koffer der Damen auf dem Rückweg befinden. Interessant ist auch ein Besuch eines der größeren Kaufhäuser in Trivandrum, der nahegelegenen Großstadt. Lassen Sie sich die farbenprächtigsten Stoffe und Saris zeigen. Gern sind die einheimischen Damen beim Ankleiden der Saris behilflich, da es etwas Übung bedarf, die 6m Stoff nach allen Regeln der Kunst anzuziehen. Für Kulturinteressierte befindet sich Padmanabhaswamy Tempel inmitten des alten Forts der Stadt. Leider lässt sich das Innere für Nicht-Hindus nicht besichtigen, aber der Tempelteich und die Außenansicht lohnen einen Besuch. Auf dem Connemara Markt können Sie das pure indische Leben erleben, Obst, Gemüse und Waren aller Art werden feil geboten.
Abschließend möchte ich sagen, dass Indien, insbesondere Kerala eines der bewegensten Regionen war, die ich besucht habe. Besonders die Authentizität, Freundlichkeit und Neugier der Einheimischen hat mich oft überrascht und tief beeindruckt. Ich freue mich, wenn ich Ihnen einen kleinen Einblick in diese faszinierende, doch so andere Welt geben konnte.
Namaste
Romy Ganschow

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