Auf zwei Rädern durch Kuba

Verfasst von Julia Burchard am 10.12.2015

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Blog Kuba Julia
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Kuba – Sonne, Mojitos und heiße Rhythmen…
für mich hieß es aber zunächst RADFAHREN. Nicht unbedingt das, was die meisten Urlauber in Kuba vorhaben, ich weiß.

 

Ich hatte bewusst entschieden, mich dem Land auf dem Drahtesel zu nähern. Beim Radfahren spürt man den Wind und den Duft der Natur, winkt schnell einem Passanten zu oder hält für einen Plausch am Wegesrand. Die Distanz zu den Einheimischen ist viel geringer und man wird immer neugierig und freundlich empfangen.
So kam es, dass eine einwöchige Radreise in einer internationalen Gruppe den Auftakt zu meiner Kuba-Reise bildete. Es ging von Havanna aus in den Westen der Insel, in die Region Viñales, die durch steile Sandsteinfelsen und Tabakfelder geprägt ist. Jeden Tag standen kürzere oder längere Radtouren auf dem Programm, zusätzlich Besichtigungen und geführte Spaziergänge. Gleich am zweiten Tag, nach einer langen Strecke im Sattel, ging es an den traumhaften Strand von Cayo Jutías, der mit türkis-blauem Wasser und weißem Sand unserem Klischee der Karibik entsprach. Der gesprächige Barkeeper José an der kleinen Strandbar hatte alle Hände voll zu tun, um uns mit kühlen Fruchtsäften und Mojitos zu versorgen.

 

Zwei Tage später besuchten wir die Landwirtin Luisa auf ihrer Farm, um einen Einblick in das kubanische Landleben zu bekommen. Sie empfing uns mit einem üppigen Mittagessen aus Schweinefleisch, schwarzen und grünen Bohnen, Gurken, Maniok und Reis. Nach dem Essen kam ein starker Kaffee auf den Tisch – aus eigenem Anbau und eigener Röstung. Als Kaffeeliebhaberin schlug hier natürlich mein Herz höher und Luisa zeigte mir mit Stolz, wie sie die Kaffeebeeren trocknet, die Bohnen herauslöst, röstet und mahlt. Bei einem Spaziergang über ihre Felder zeigte sie uns wie Tabak, Maniok, Papaya und Kaffee angebaut werden. Die Begegnung mit Luisa war eine der interessantesten auf der gesamten Reise – zumal wir am Ende feststellten, dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben!

 

Ein weiterer spannender Stopp war Las Terrazas, wo wir im wunderschönen Moka Hotel übernachteten. Der kleine Ort hat sich ganz dem Ökotourismus verschrieben und liegt inmitten eines großen Naturschutzgebiets. Wir unternahmen hier eine Zip-Lining-Tour (wobei wir an einem Stahlseil hängend von Baum zu Baum sausten) und besuchten den Künstler Henry Alomá, der tiefsinnige und humoristische, von der Natur inspirierte Zeichnungen anfertigt.

 

Nach acht abwechslungsreichen Tagen kehrten wir mit der Gruppe zurück nach Havanna, das wir auf einer Walkingtour erkundeten. Havanna ist meiner Meinung nach eine Stadt, die keineswegs nur hübsch und malerisch ist, sondern die vor allem durch ihre Gegensätze fasziniert. Einige Straßenzüge im historischen Zentrum sind perfekt renoviert, bieten schicke Restaurants und moderne Bars. Drei Straßen weiter aber sind die alten Wohnhäuser verwaschen und marode; in den staatlichen Geschäften blickt man auf leere Regale. Havanna zeigt dem Besucher unweigerlich die starken Kontraste, die das Land charakterisieren und die Kuba zu einem einzigartig interessanten Reiseland machen.

 

Nachdem ich mich in Havanna von meiner Radreisegruppe verabschiedet hatte, ging es für mich weiter nach Cienfuegos in Zentralkuba. Gleich im Bus lernte ich Hector kennen, der zweimal zu Fortbildungen in Karlsruhe gewesen war. Er ist Ingenieur und wurde ausgebildet, um in Kubas einzigem Atomkraftwerk zu arbeiten, das nach dem Ende der Sowjetunion niemals fertig gebaut wurde. Heute arbeitet er im Umweltschutz.

 

Cienfuegos gefiel mir gut, eine unaufgeregte Stadt mit viel authentischem Alltag und recht wenig Tourismus. Mein Gastgeber Frank nahm sich Zeit, um mich auf seinem Elektroroller durch die Stadt zu fahren und mir sein kleines Fischerboot im Hafen zu zeigen. Bei einem Besuch in seinem Atelier an der Plaza de Armas lernte ich den Maler Irving Torres kennen, der mit erzählte, dass er einige seiner großformatigen Gemälde, die er mit Autolack malt, nach Deutschland verkauft hat. Hinter jedem seiner Gemälde steckt eine interessante/bedrückende Geschichte – auch hinter dem kleinen Bild, das er mir beim Abschied als Geschenk mitgab und das nun mein Berliner Wohnzimmer ziert.
Mein Aufenthalt in Cienfuegos war vor allem durch nette Begegnungen geprägt – neben Hector, Frank und Irving lernte ich auch Milan kennen, einen kroatisch-kanadischen Rentner, der seit 25 Jahren die Winter in Kuba verbringt.

 

Weiter ging es nach Trinidad, das im Vergleich mit Cienfuegos viel idyllischer, aber auch wesentlich touristischer ist. Bunt gestrichene Häuser, grobes Kopfsteinpflaster, hübsche Plätze – der kleine Ort bezaubert mit einer wunderschönen kolonialen Altstadt. Die große Beliebtheit unter Touristen hat dazu geführt, dass es eine große Auswahl an Restaurants und Bars sowie zahlreiche Privatunterkünfte gibt. Im Hinterland erhebt sich ein mit dichtem Regenwald bedecktes Gebirge, in dem sich eindrucksvolle Wasserfälle verstecken – ein perfektes Ziel für einen Tagesausflug. Im Tal der Zuckerrohrmühlen (Valle de los ingenios) kann man der Geschichte des Zuckerrohanbaus nachspüren. Einen Tag verbrachte ich auch am schönen Strand von Ancon, der nur wenige Kilometer von Trinidad entfernt ist. Der praktische Shuttlebus brachte mich vom Ortszentrum zum Strand.
Santa Clara erkundete ich während eines Tagesausflugs, war aber nicht sehr beeindruckt. Das Mausoleum von Che Guevara und das Revolutionsdenkmal sind sicherlich wichtige Monumente, aber die Innenstadt von Santa Clara hat sonst nichts zu bieten.

 

Am Ende der Reise stand eine weitere Nacht in Havanna, bevor ich nach fast drei wundervollen Wochen in Kuba den Rückflug antrat.

 

Noch scheint die restliche Welt in Kuba weit entfernt, doch das Land öffnet sich und große Veränderungen stehen an. Die Lebensbedingungen für die Kubaner werden sich verbessern, doch das romantisch-authentische, das wir Reisenden so schätzen, wird früher oder später verschwinden. Wer mit dem Gedanken spielt Kuba zu bereisen, sollte nicht länger warten. Vamos – Los geht’s!

 

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