Iran – Ganz anders als erwartet

Verfasst von Akira Proske am 02.07.2014

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Isfahan, Imam Platz
Isfahan, Imam Platz
Persepolis, Iran
Shah Cheragh, Shiraz, Iran

Beim Landeanflug auf Shiraz passierte es: sah man vorher noch dunkle und blonde Haarpracht, bestand die Maschine nun aus einem bunten Meer von rosafarbenen, schwarzen, weißen, grünen Kopftüchern. Ankunft in der islamischen Republik Iran. Doch schon die Farbenvielfalt überraschte und ließ uns erahnen, dass zwischen unserer Vorstellung und der Realität im Iran eine große Kluft herrschte.

 

Doch so sehr unterscheidet es sich nicht, das Alltagsleben der Iraner. Flachbildschirme und Smartphones sind in, 14-jährige Mädchen chatten lieber auf Facebook als im Koran zu lesen und grinsen verschmitzt, wenn sich der Vater im Gespräch mit uns darüber beklagt. Und als der Iran gegen Bosnien-Herzegowina im Fußball antrat, so war man hin- und hergerissen, welcher Gott denn zur Abendgebetzeit die Priorität erhält.

 

Abgesehen von dieser kleinen Episode ist der Islam aber schon tief verankert im Bewusstsein der Bevölkerung. Man sündigt nicht, trinkt kein Alkohol (gibt offiziell auch keinen zu kaufen), Frau zieht sich nicht körperbetont an, betet und pilgert regelmäßig zu den heiligsten Stätten, an dem die schiitischen Heiligen bestattet sind. Diese sind prächtig gebaut, mit herrlicher Architektur, riesigen, wunderschönen Plätzen. Normalerweise für Nicht-Muslime nicht zugänglich, hatten wir das Glück, den drittheiligsten Ort zu betreten: das Shah-Cheragh-Heiligtum. Die Atmosphäre war so anmutig, es herrschte eine dichte, spirituelle Stimmung, die einem die Tränen in die Augen bringt, so sehr, dass ich fast augenblicklich zum Islam konvertiert wäre.
Nach meinem kleinen stillen Gebet wurde ich angesprochen, wie so oft im Iran, wenn ich erblickt wurde. Die Menschen kommen auf einen zu, sprechen einen an, wollen einen kennenlernen, so dass man sich vertraut fühlt in diesem Land, angenommen und überhaupt – sicher. Wenn man diesen Menschen begegnet, schüttelt man innerlich mit dem Kopf, wenn man die sich an die Polemik der „Achse des Bösen“ von George W. Bush erinnert.

 

Auch auf dem Basar geht es erst in zweiter Linie um das Geschäft – vorher wird Tee getrunken und sich ausgetauscht. Der Iraner ist aufrichtig und stolz – er hat es nicht nötig, andere über den Tisch zu ziehen. Für einen Touristen ist diese Stimmung sehr angenehm (man vergleiche mit Ägypten, Marokko und der Türkei) und man kann es nicht glauben, dass es so etwas noch gibt.

 

Von den Menschen abgesehen ist der absolute Höhepunkt des Landes der Imam Platz von Isfahan. Die Platz des Himmlischen Friedens in Peking mag der größte der Welt sein, der Petersplatz in Rom ein heiliger Ort und der Jamaa el Fna in Marrakesch ein bunter, belebter Platz – der Imam Platz in Isfahan ist alles in einem, spätestens abends, wenn von der Imam Moschee der Aufruf zum Abendgebet ertönt.

 

Beim Abflug aus Teheran erwache ich wieder aus meinem orientalischen Traum: die Kopftücher sind wieder verschwunden.

 

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  1. Gravatar for Barbara
    Barbara
    Vor 42 Jahren war ich schon mal in Isfahan und der Zauber dieses Stadt lockt mit (endlich!) in diesem Jahr wieder dorthin.
  2. Gravatar for Rainer Blum
    Rainer Blum
    Dem Bericht kann ich nur voll zustimmen,ich war im Mai im Iran,leider nicht mit Geoplan.Es ist ein wunderbares Reiseland,man muß sich nur auf lange Fahrstrecken einstellen wenn man 14 Tage unterwegs ist.Grüße R.Blum.

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