Aloha auf Hawaii, für uns nun schon zum dritten Mal. Ist es nicht langweilig, zum dritten Mal um die halbe Welt zu fliegen, um sich an den Strand zu legen? Wer sich mit Hawaii zuvor nicht näher beschäftigt hat, mag das falsche Bild einer Badedestination im Kopf haben. Hawaii ist in gewissem Maße zum Baden geeignet, die Inseln bestechen jedoch allen voran durch ihre landschaftliche Vielfalt und atemberaubend schöne Wildnis.
Wild ist auch unser Besuch in Leonard’s Bakery in Honolulu. Diese Traditionsbäckerei ist für ihre Malasadas bekannt und stand lange auf unserer Liste. Nach unserer Wanderung auf den Diamond Head kommen wir nun mit Loch im Bauch bei Leonard’s an und staunen nicht schlecht über den Parkanweiser, der uns in hawaiianischer Gelassenheit erklärt, wo gleich ein Platz frei wird und wie ich idealerweise in die Parklücke fahren soll, damit ich keine Probleme habe und auch andere Autos noch vorbeipassen. Ich habe nie einen solchen Andrang an einer Bäckerei gesehen und frage mich, ob bei solcher „Fließbandarbeit“ der Geschmack verloren gehen kann. Wir sind direkt überfordert mit der Flut an möglichen Füllungen und Variationen (in Wahrheit waren es nur neun an der Zahl, aber im Urlaub ist alles neu). Schließlich einigen wir uns auf Macadamia, Kokos und eine Art Pudding. Und was soll ich sagen, die Skepsis ist unbegründet, die Malasadas sind fluffig, warm und köstlich. Es hat eben manchmal einen Grund, wenn ein Ort stark besucht ist: weil es sich lohnt!
Frisch aus dem Erdinneren
Gut besucht ist in der Regel auch der Volcanoes Nationalpark auf Big Island. Und bei unserem Besuch zieht er wohl noch mehr Tagesbesucher an, als üblich. Der Grund dafür ist ein Glücksfall für uns: Auch, wenn der Kilauea als aktivster Vulkan der Welt gilt, so sieht man häufig keine Lava. Der Vulkan fängt jedoch pünktlich mit unserer Ankunft auf der Insel an zu brodeln und einen Lavafluss auszuspucken. Da die Ausbrüche nie explosiv sind, besteht keine Gefahr für Besucher des Parks. In der Ferne können wir eine „kleine“ Kuppe aus Lava sehen, die unaufhörlich aus dem Erdinneren nach oben speit. Unser lieber Guide Rob zeigt uns die besten Plätze zum Beobachten des Naturschauspiels sowie besondere Pflanzen und spektakuläre Lavafelder.
Am Nachmittag genießen wir einen leckeren Fisch in unserer Lodge und wollen es uns anschließend im Outdoor-Whirlpool gemütlich machen, als uns Rob eine Nachricht schickt, wir sollen sofort wieder in den Park fahren, es gibt nun richtige Fontänen zu sehen. Gesagt, getan: Wir sind 30 Minuten später an einem seiner empfohlenen Plätze und bestaunen einen riesigen Lavageysir, dessen tiefes Brummen kilometerweit zu hören ist – einfach irre. Leider führt ein permanenter Nieselregen zu einer Nebelwand, wodurch keine klaren Fotos möglich sind, aber wir wollen uns mal nicht beschweren.
Wildnis wie aus dem Bilderbuch
Big Island schenkt uns noch weitere unvergessliche Augenblicke. So sehen wir im heiligen Waipio Valley eine Wildpferdmutter mit ihrem Jungtier, umgeben vom üppigen Grün der Berghänge. Soweit ich weiß führt die steilste asphaltierte Straße der USA in das Tal, weswegen es inzwischen nur noch per geführter Tour erlaubt ist, dort hinunterzufahren.
Eine weniger steile, aber dafür unbefestigte Straße führt hinauf auf den 4200 Meter hohen Mauna Kea. Auf dem Gipfel befinden sich mehrere Observatorien, welche zusammen die größte Sternwarte der Welt bilden. Wie riesige Götzenstatuen thronen diese in über den Wolken und werden mit uns Zeugen eines unbeschreiblichen Sonnenunterganges.
Vielleicht weniger Ehrfrucht gebietend, aber dafür in höchstem Maße kitschig romantisch (ausdrücklich positiv gemeint) sind die Sonnenuntergänge auf Maui. Das liegt an den vorgelagerten Inseln und den Wolken, die vom Berg im Zentrum er Insel Richtung Westküste ziehen und sich dort beginnen aufzulösen. Dies sorgt sehr häufig für ein beeindruckendes Farbspiel am Himmel. So auch diesmal wieder. Schwer zu sagen, ob Big Island oder Maui für uns bei diesem Wettrennen die Nase vorne hat.
Rutschpartie mit Aussicht
Natürlich darf auch unsere Lieblingsinsel Kauai auf dieser Reise nicht fehlen. Haben wir zuvor den Waimea Canyon nur von den Aussichtspunkten genossen, entscheiden wir uns, bei diesem Besuch für eine Wanderung durch Regenwald und entlang der Steilwände. Der aufgeweichte Boden sorgt hierbei für ein ständiges Wetteifern zwischen Lachen und Fluchen. Ich lasse es mir nicht nehmen, meine Frau bei ihren Akrobatikeinlagen zu fotografieren, als sie auf allen Vieren versucht, eine Steigung ohne Rutscheinlage zu überwinden. Die Aussicht am Ende des Wanderweges entschädigen allemal für die Anstrengung.
Karma trägt eine Seekrankheitsbrille
Nur wenige Tage später schlägt Karma dann bei mir zu: Auf einer verdammt spaßigen Bootstour bei hohen Wellen zur Napaliküste wird mir auf halber Strecke übel. „Ich brauche die mitgebrachten Reisetabletten nicht zu nehmen, hat ja beim letzten Mal auch ohne funktioniert“, sagte ich noch im Hotel. Zur Belohnung erhalte ich eine stylische Brille mit eingelassener Flüssigkeit, die einen künstlichen Horizont vorgaukeln soll. Das Gelächter meiner Frau und der Crew ist inklusive. Naja, der Anblick der Napali Coast ist trotzdem grandios und ich bin um eine Lektion reicher.
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