„She is the most beautiful girl on the Mekong.“ Als unser Guide mit einem stolzen Lächeln auf die Aqua Mekong zeigte und diesen Satz sagte, musste ich schmunzeln. Schließlich hatte er bereits auf zahlreichen Schiffen auf dem Mekong gearbeitet. Doch nach vier Tagen an Bord verstand ich genau, was er meinte.
Meine Reise begann allerdings nicht direkt auf dem Fluss, sondern in Siem Reap. Wer nach Kambodscha reist, sollte sich die Tempel von Angkor auf keinen Fall entgehen lassen. Zwischen jahrhundertealten Steinreliefs, überwucherten Tempelanlagen und den ikonischen Türmen von Angkor Wat wird schnell klar, warum dieser Ort zu den beeindruckendsten Kulturschätzen der Welt zählt. Schon beim ersten Besuch spürt man die besondere Atmosphäre dieses Ortes, an dem Geschichte, Kultur und Spiritualität auf faszinierende Weise zusammentreffen.
Von dort ging es weiter nach Phnom Penh, wo die Aqua Mekong bereits auf ihre Gäste wartete. Das elegante Design, die großzügigen Suiten und die offene Architektur beeindruckten sofort. Doch was dieses Schiff wirklich besonders macht, sind nicht die schönen Räume oder die stilvolle Einrichtung. Es sind die Menschen an Bord.
Schon beim Betreten des Schiffes wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Luxus, sondern vor allem um Gastfreundschaft. Die Crew begrüßte jeden Gast mit Namen, erinnerte sich an persönliche Vorlieben und schaffte es, eine Atmosphäre zu schaffen, die gleichzeitig professionell und herzlich war. Wünsche wurden scheinbar erfüllt, bevor man sie überhaupt ausgesprochen hatte. Es sind genau diese kleinen Details, die den Unterschied machen.
Am ersten Abend genossen wir einen Sundowner an Deck, während die Sonne langsam hinter den Ufern des Mekong verschwand. Eine traditionelle Apsara-Tanzvorführung sorgte für einen stimmungsvollen Auftakt unserer Reise. Während wir langsam flussabwärts glitten, wurde mir bewusst, dass diese Reise weit mehr sein würde als eine klassische Kreuzfahrt.
Jeder Tag brachte neue Erlebnisse und Begegnungen. Das Besondere: Es gab nicht einfach ein festes Ausflugsprogramm, sondern mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Wer aktiv unterwegs sein wollte, konnte mit dem Fahrrad durch Reisfelder radeln oder mit dem Kajak kleine Seitenarme des Mekong erkunden. Wer es gemütlicher bevorzugte, besuchte Märkte, Tempel oder kleine Dörfer entlang des Flusses.
Gerade diese Flexibilität hat mir besonders gefallen. Die Reise passte sich den Gästen an, nicht umgekehrt. Während einige Mitreisende morgens bereits auf dem Fahrrad unterwegs waren, entschied ich mich gelegentlich für die entspanntere Variante. Am Nachmittag, wenn die Temperaturen etwas angenehmer wurden, schwang ich mich dann selbst aufs Rad und erkundete die kleinen Dörfer des Mekong-Deltas. Dabei winkten uns Kinder vom Straßenrand zu, Bauern arbeiteten auf den Feldern und das Leben spielte sich in einem Tempo ab, das wohltuend entschleunigend wirkte.
Beeindruckt hat mich auch die Kompetenz der Reiseleiter. In Kambodscha begleiteten uns kambodschanische Guides, in Vietnam übernahmen vietnamesische Experten. Dadurch entstanden nicht nur spannende Gespräche, sondern auch authentische Einblicke in Geschichte, Kultur und Alltag der beiden Länder. Man merkte sofort, dass hier Menschen von ihrer Heimat erzählen – und nicht einfach nur ein Programm abspulen.
Eine kleine Begebenheit zeigt vielleicht am besten, warum der Service an Bord so außergewöhnlich ist. Während eines Marktbesuchs entdeckte eine Mitreisende eine Tasche, die ihr sehr gefiel. Leider hatte sie kein Bargeld dabei und ließ die Tasche schweren Herzens zurück. Als wir später wieder an Bord waren, überraschte einer der Guides sie mit genau dieser Tasche. Er war nach unserem Besuch noch einmal zurückgegangen, hatte sie gekauft und schenkte sie ihr. Die Tasche selbst war vermutlich nicht viel wert, aber die Aufmerksamkeit und Herzlichkeit hinter dieser Geste dagegen unbezahlbar.
Auch kulinarisch blieb kein Wunsch offen. Die Küche an Bord verband internationale Einflüsse mit regionalen Spezialitäten auf höchstem Niveau. Ob frischer Fisch aus dem Mekong-Delta, vietnamesische Klassiker oder kreative Menüs mit lokalen Zutaten – jede Mahlzeit war ein Erlebnis für sich. Ich ertappte mich mehr als einmal dabei, bereits beim Frühstück neugierig auf das Abendessen zu sein. Besonders schön war dabei, dass die Küche die kulinarischen Traditionen der bereisten Regionen aufgriff und modern interpretierte.
Viel zu schnell vergingen die vier Tage auf dem Mekong. Schon bald erreichten wir Ho-Chi-Minh-Stadt, das frühere Saigon. Während wir uns von der Aqua Mekong verabschiedeten, hatte ich das Gefühl, nicht nur eine Kreuzfahrt erlebt zu haben, sondern Kambodscha und Vietnam auf eine besonders intensive und persönliche Weise kennengelernt zu haben.
Die Kombination aus den Tempeln von Angkor, den Begegnungen entlang des Mekong, den abwechslungsreichen Ausflügen, der hervorragenden Küche und der außergewöhnlichen Crew macht diese Reise für mich zu einem echten Highlight in Südostasien.
Und was den Satz unseres Guides betrifft?
Nach dieser Reise würde ich ihm ohne zu zögern zustimmen: Die Aqua Mekong ist tatsächlich die schönste Dame auf dem Mekong.
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