Es gibt Länder, deren Namen man zwar kennt und von denen man eine diffuse Vorstellung hat. Aber eigentlich weiß man nichts Genaues über sie und kennt auch niemanden, der dort schon einmal war. Solche Länder ziehen mich magisch an. Einerseits aus persönlicher Neugier. Andererseits halten wir bei GEOPLAN immer nach Reisezielen Ausschau, die touristisch noch wenig erschlossen, aber vielversprechend sind.
Angola war ein solches Reiseziel, auf das wir bereits ein Auge geworfen hatten, als die Einladung zu einem Besuch des Landes kam. Also habe ich meinen Koffer gepackt – und los ging es. Erste Überraschung: Die Lufthansa fliegt dreimal pro Woche von Frankfurt/M. direkt nach Luanda, der angolanischen Hauptstadt. Dort angekommen, fand ich mich in einer modernen afrikanischen Großstadt wieder, mit vielen Hochhäusern und einer palmengesäumten Uferpromenade am Atlantik, wie man sie eher am Mittelmeer erwarten würde. Ja, es gab auf ihr sogar einen Fahrradstreifen, auf dem Skater unterwegs waren. Die Stadt gilt mit ihren 10 Millionen Einwohnern als Boomtown, was wohl auch den erheblichen Mengen vor der Küste geförderten Öls und Gases zu verdanken ist.
Es war Trockenzeit, die Sonne schien meistens, und die schwül-warmen 32 °C ließen mich schwitzen. Durch eine stetige Brise vom Meer war die Hitze aber ganz gut zu ertragen. Zu meiner Überraschung versteht es eine erstaunlich große angolanische Mittelschicht, sich das Leben angenehm zu gestalten. Neben feinen Restaurants und Cafés gibt es auch einen gut gefüllten Yachtclub. Touristen sind fast keine zu sehen – und doch sind hellhäutige Menschen für die Angolaner kein Grund, ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Grund: Angolas Geschichte der letzten Jahrhunderte wurde auch von portugiesischen Siedlern geprägt. Deren Nachfahren leben noch heute als weiße Angolaner im Land und sind fester Bestandteil der Nation. Eine weitere Überraschung.
Luanda ist übrigens vergleichsweise sauber und sicher. Ich sah fast keine bettelnden Kinder oder Zeichen von krasser Armut. Sehenswürdigkeiten gibt es einige in der Stadt: ein gewaltiges Fort mit einem tollen Blick über die Stadt, imposante Gebäude aus der Kolonialzeit und auch ein ethnologisches Museum – klein, aber fein. Wer mag, kann auch das Mausoleum für den ersten Präsidenten des freien Angolas besuchen; für manchen westlichen Besucher möglicherweise befremdlich, für viele Angolaner aber wichtig – und in jedem Fall sehenswert.
Schließlich führte mich ein Inlandsflug nach Lubango, der zweitgrößten Stadt Angolas. Diese liegt auf einem Hochplateau in 1.700 Metern Höhe. Das Klima ist hier deutlich milder, und die Nächte auch mal frisch. Verständlich, dass viele Portugiesen diese Region, die auch über fruchtbare Böden verfügt, als Siedlungsgebiet wählten. In Lubango hatte ich kurz den Eindruck, mich irgendwo in Portugal aufzuhalten. Die Stadt ist aus touristischer Sicht ein guter Ausgangspunkt, um mit Tagesausflügen interessante Orte in der weiteren Umgebung zu besuchen. In etwa einer halben Stunde Autofahrt von der Stadt entfernt endet z. B. das Hochplateau. An einer Kante fällt es abrupt um 1.000 Meter ab. Dort zu stehen und herabzuschauen ist ein beeindruckendes Erlebnis.
Mit Spannung erwartet – und nicht enttäuscht – wurde ich von den Kalandula-Wasserfällen. Der Fluss Lucala stürzt hier mehr als 100 Meter in die Tiefe und bietet ein beeindruckendes Schauspiel, das mich sehr an die berühmten Victoriafälle erinnerte. Ein wesentlicher Unterschied: Während man das Erlebnis an den Vic Falls üblicherweise mit Hunderten anderen Besuchern teilt, genießt man die Kalandula-Wasserfälle fast allein. Eine Erfahrung, die sich an allen Höhepunkten wiederholte – und die Reise durch Angola zu einem besonderen Erlebnis machte. Sicher wird sich dies mit der fortschreitenden Entwicklung des Tourismus ändern. In den kommenden Jahren wird es aber sicher noch ein Alleinstellungsmerkmal des Landes bleiben.
MEIN FAZIT: Angola ist zweifellos eine Entdeckung und ein Land, das eine Reise wert ist. Es bietet authentische Begegnungen mit offenen, herzlichen Menschen, beeindruckende Landschaften und tropische Natur sowie ein besonderes Flair, in dem sich vielfältige kulturelle Einflüsse vermischen.
Last but not least: Genießen Sie das Gefühl, an Orte zu kommen, an denen vor Ihnen nicht schon Tausende andere Reisende aus Europa waren – also einen Hauch von Entdeckergeist!
/2025-06_angola_fh-81.jpg)
/catalog.png?1)