Meine erste Reise nach China führte mich nach Yunnan – vielleicht nicht das erste Ziel, das einem bei China in den Sinn kommt, aber definitiv eines, das jede Empfehlung verdient. Nach meiner Rundreise über rund 1.300 Kilometer bleibt vor allem eines: Yunnan war intensiver, vielfältiger und eindrucksvoller, als ich es mir je hätte vorstellen können.
Die Region ist bekannt für ihren „ewigen Frühling“ – und selbst im späten Herbst wurde dieser Ruf bestätigt: milde Temperaturen bis zu 25 Grad machten es möglich, im Süden Chinas warme Sonnenstrahlen zu genießen. Besonders geprägt haben mich die Metropole Kunming und die Altstadt von Lijiang. Zwei Orte, die gegensätzlicher kaum sein könnten – und doch beide zu den absoluten Highlights meiner achttägigen Reise wurden.
Meine Reise begann in Kunming, der Hauptstadt Yunnans. Ehrlich gesagt hatte ich zunächst das typische Klischee chinesischer Großstädte im Kopf: laut, voll und chaotisch. Umso überraschter war ich, wie schnell sich dieses Bild auflöste. Trotz der fünf Millionen Einwohner fühlte ich mich als Besucherin sicher und gut aufgehoben. Die Infrastruktur war hervorragend, und dank GPS konnte ich mich problemlos durch die lebhaften Straßen bewegen. Besonders beeindruckt hat mich die Hilfsbereitschaft der Menschen. Als ich nach dem Weg fragte, bekam ich nicht nur eine Erklärung – sondern wurde persönlich begleitet, verbunden mit einem kleinen, überraschend herzlichen Austausch. Auch ohne gemeinsame Sprache funktionierte die Kommunikation wunderbar über eine Übersetzer-App. Diese Offenheit ließ mich mit Kunming schnell verbunden fühlen. Und noch etwas fiel mir auf: Trotz der Größe war es erstaunlich ruhig auf den Straßen –dank der vielen modernen Elektrofahrzeuge.
Ein wichtiger Punkt: Aufgrund der Reisezeit und den Höhenmetern war die Luft in Yunnan sehr trocken. So lernte ich schnell, dass „Stay hydated!“ nicht nur in Deutschland ein gut gemeinter Spruch ist und hatte überall eine volle Wasserflasche bei mir.
Unvergesslich bleibt mir auch die Altstadt von Lijiang im Nordwesten Yunnans. Sie ist insbesondere von einer beeindruckenden ethnischen Vielfalt geprägt. Schon bei meiner Ankunft zog mich diese charmante „Miniwelt der Tradition“ in ihren Bann. Liebevoll gestaltete Läden, alte gepflasterte Straßen und ein beinahe magischer Charme machten es schwer, sich diesem Ort zu entziehen. Tagsüber schlenderte ich durch ein lebendiges Labyrinth aus kleinen Gassen und filigranen Steinbrücken. Überall blühten Blumen und verwandelten die Szenerie in eine perfekte Fotokulisse. Ich probierte verschiedenste Teesorten, kostete den berühmten „Yunnan Flower Cake“ – einen zarten Rosenkuchen – und ließ mich von der Musik treiben. In einem kleinen Laden wurde ich von drei Frauen in traditionelle Kleidung gehüllt und geschminkt – ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Als der Abend hereinbrach, zeigte sich Lijiang von einer fast märchenhaften Seite: Die Stadt verwandelte sich in ein leuchtendes Meer aus Musik und Lichtern. Kleine, handgefertigte Seerosen trieben durch die Wasserläufe und unzählige Lampions tauchten die Gassen in warmes Licht. Während ich durch diese Kulisse spazierte, fühlte es sich an, als wäre ich in meinem ganz eigenen kleinen Paradies angekommen – und spürte die besondere Magie dieses Ortes.
Verträumt ging es nach meiner Rundreise zurück zum Flughafen in Kunming und ich war mir schon dort sicher: China, ich komme wieder!
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