Die Geheimnisse der Baffin Bay war der Titel meiner Expeditionskreuzfahrt mit der Le Lyrial, einem luxuriösen Schiff der französischen Reederei PONANT mit nur 122 Kabinen.
So flog ich zunächst über Kopenhagen in den Westen Grönlands nach Kangerlussuaq. Ein überschaubarer Ort, der gefühlt nur aus dem Flughafen besteht und derzeit etwa 200 Einwohner hat – gesehen habe ich in 3 Tagen höchstens 20 davon. Kangerlussuaq eignet sich als Ausgangspunkt, um die schöne Umgebung zu erkunden. Der Russels-Gletscher war nach etwa einer Stunde Fahrt und einer kleinen Wanderung erreicht, etwas weiter ging es dann noch zum Grönländischen Inlandeis „Point 660“. Neben der traumhaften Landschaft mit Gletschern und Wasserfällen zeigten sich auch Rentiere, Moschusochsen, Polarfüchse und sogar ein Schneehase.
Nach drei Tagen ging es endlich an Bord der Le Lyrial und zunächst im 180km langen Kangerlussuaq Fjord an die grönländische Küste. Unser erster Stopp war Sisimut, die zweitgrößte Stadt Grönlands, die schon seit 4500 Jahren von den Inuit bewohnt ist. Bei bestem Wetter präsentierten sich die für grönländische Orte so typischen bunten Holzhäuser. Nicht nur als schöne Farbtupfer zu verstehen, dienten die Farben der Gebäude als Orientierungshilfe bevor es hier Straßennamen oder Hausnummern gab. Rot ist nach wie vor sehr stark vertreten und steht beispielsweise für Geschäfte, Kirchen und Regierungsgebäude. Viele Häuser sind an oder auf Felsen gebaut und daher nur durch lange Treppen erreichbar.
Die Discobucht war das nächste Ziel. Hier musste das Programm kurzfristig etwas umgestellt werden, denn es gab zu viele Eisberge, welche die Einfahrt nach Ilulissat zunächst blockierten. So kamen wir zunächst in den Genuss einer Anlandung in Iterdla, eine sehr beeindruckende Landschaft, die wir bei einer Wanderung erkunden konnten. Die Anfahrt nach Ilulissat gestaltete sich dann traumhaft schön im Abendlicht und aufgrund der vielen Eisberge sehr langsam. Passenderweise heißt Ilulissat übersetzt auch „Stadt bei den Eisbergen“. Diesen Namen verdankt der Ort dem sehr aktiven Kangia-Gletscher, der etwa 60 km entfernt liegt, täglich viele Millionen Tonnen Eis kalbt und diese über den Ilulissat-Eisfjord auf den Weg nach Ilulissat schickt.
Ein sehr schönes Erlebnis mit vielen nette Begegnungen hatten wir in Kullorsuaq, nach Savissivik der nördlichste Punkt unserer Reise. In der kleinen grönländischen Siedlung mit etwa 400 Einwohnern, die noch immer von der Fischerei und der Eisbären- oder Seehundjagd leben wurden wir herzlich empfangen und konnten einen intensiven Einblick in die Lebensweise gewinnen.
Auf der anderen Seite der Baffin Bay erreichten wir dann die kanadische Arktis. Hier stand nun einige Tage lang die Erkundung der einzigartigen Fjordlandschaft im Vordergrund: Icy Arm Fjord, Dexterity Fjord und North Arm Fjord empfingen uns bei traumhaftem sonnigem Wetter. Die erste Sichtung eines Eisbären ließ auch nicht lange auf sich warten. Dieser sollten noch einige folgen und eine ungewöhnlich große Gruppe Narwale entzückte besonders auch das Expertenteam an Bord. Die Rückfahrt nach Grönland gestaltete sich mit hohen Wellen sehr stürmisch, aber nach zwei Seetagen konnten wir in Kangerlussuaq wieder von Bord gehen. Die elegante und trotzdem sehr gemütliche Ausstattung der Le Lyrial, das exzellente Essen und die immer gut gelaunte und hilfsbereite Crew werden mir neben den einzigartigen Landschaften für immer in bester Erinnerung bleiben.
Von Kangerlussuaq flog ich noch für zwei Tage in die grönländische Hauptstadt Nuuk, die ihrem Ruf des ewig schlechten Wetters zum Glück überhaupt nicht gerecht wurde. Mit nur etwa 19.000 Einwohnern ist Nuuk eine der kleinsten Hauptstädte weltweit, bietet viel Sehenswertes und immer wieder spektakuläre Aussichten auf die umliegenden Berge. Besonders gut hat mir die Gegend um den Kolonialhafen mit dem Grönländischen Nationalmuseum gefallen, das in alten Lagerhäusern aus den 1920er Jahren untergebracht ist. Als krönender Abschluss ging mein Rückflug noch mit tollen Aussichten auf das grönländische Inlandeis über Island zurück nach Berlin.
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