Geoplanerin Naomi unterwegs auf den alten Samurai-Pfaden

Geoplanerin Naomi Ritter vor dem Zenkoji Tempel
Geoplanerin Naomi Ritter vor dem Zenkoji Tempel

Acht Tage zwischen Edo-Zeit und Alpengipfeln im südlichen Nagano

Verfasst von Naomi Ritter am 10.09.2026

Von Magome nach Tsumago – Auf der historischen Nakasendo

Ich durfte in diesem Sommer an einer Inforeise in die japanische Präfektur Nagano unternehmen. Nach dem Treffen mit der Gruppe in Tokyo reisten wir per Shinkansen und Regionalzug über Nakatsugawa nach Magome, einem der am besten erhaltenen Poststationen der historischen Nakasendo-Route. Eine steile, gepflasterte Hauptstraße mit traditionellen Holzhäusern und eindrucksvollen Blicken ins Tal prägt Magome. Nach der Besichtigung und einem Mittagessen mit lokalem Kastanien-Klebreis und Tempura traten wir die etwa acht Kilometer lange Wanderung nach Tsumago an. Der Weg führt über historisches Kopfsteinpflaster durch dichte Zypressenwälder. Tsumago vermittelt durch seine geschützten Holzfassaden und das Fehlen oberirdischer Stromleitungen ein sehr anschauliches Bild der Edo-Zeit. Im Anschluss besichtigten wir die Werkstatt von Yamaichi, um die Kunst der Rokuro-Zaiku-Holzdrechslerei kennenzulernen und selbst an der Drechselbank zu arbeiten. Der erste Tag endete im Onyado Tsuutaya, einem über 330 Jahre alten Ryokan, bei einem Onsen-Bad und Abendessen im Stil eines feinen Shogun-Banketts.

Takigyo – Die Reinigung unter dem Wasserfall

Am nächsten Tag ging es auf den Ontake Kodo, den heiligen Pfad der Bergasketen. Hier wartete eine der intensivsten Erfahrungen auf mich: die Takigyo-Wasserfallmeditation. Sich unter das brausende, eisige Wasser der Kaskade zu stellen, erforderte im ersten Moment echte Überwindung. Auch wenn ich es nicht allzu lange unter dem gewaltigen Druck des Wassers ausgehalten habe, war das Gefühl direkt danach unbeschreiblich befreiend und reinigend. An dem heißen Sommertag war es zudem eine mehr als willkommene Abkühlung.

Tempelküche und Handwerkskunst – Shojin Ryori, Holzkämme und Sake

Passend zur meditativen Aktivität gab es im Anschluss ein buddhistisches Mittagessen. Shojin Ryori, die vegane Tempelküche des Zen-Buddhismus, stellt einfache, saisonale und lokale Zutaten in den Fokus. Nachmittags ging es handwerklich weiter: erst beim Polieren eines eigenen Holzkamms bei den traditionellen Orokugushi-Machern in Yabuhara, dann in der 1650 gegründeten Yukawa-Sake-Brauerei, wo wir den berühmten Kisoji Sake verkosten durften.

Über den Torii-Pass nach Narai – Räucherstäbchen und Edelhotels

Am folgenden Tag packten wir unsere Koffer und machten uns auf zur nächsten Wanderung. Zuerst ging es aber zum Ontakekyo Kiso Hongu Schrein, wo wir uns mit dem Hauptpriester unterhalten konnten. Der Schrein bietet eine gute Alternative, wenn einem die Wanderung zum Kiyotaki-Wasserfall zu anstrengend ist, denn auch hier kann man die Wasserfallmeditation machen.

Unsere nächste Etappenwanderung führte von Yabuhara-juku über den Torii-Pass nach Narai-juku. Der Pfad verläuft durch ruhige Nadelwälder bergauf zum Pass und fällt danach sanft ins historische Narai-juku ab. Vor Ort stellten wir in einem Workshop eigene Räucherstäbchen her. Es folgten Hotelinspektionen im restaurierten Byaku Narai, das historische Bausubstanz mit modernem Komfort verbindet, sowie im stilvollen Ryokan Tokisumika. Übernachtet haben wir im Resort Linx am Fuß der Zentralalpen, wo wir in der Dämmerung sogar seltene Riesengleithörnchen in den Baumkronen beobachten konnten.

Auf über 2.600 Metern – Gletschertal und Seidenweberei im Ina-Tal

Weiter ging es in die alpine Natur des Ina-Tals: Die Komagane Ropeway brachte uns auf über 2.600 Meter Höhe direkt in das beeindruckende Gletschertal Senjojiki Cirque mit Panoramablick auf die Gipfel. Ergänzt wurde der Naturausflug durch einen Besuch der Seidenweberei Ina Tsumugi, wo Garn noch von Hand mit Pflanzenfarben gefärbt und verarbeitet wird.

Soba, Sutren und Feuerritual in Togakushi und Zenko-ji

Zum Finale der Reise steuerten wir Togakushi in Nagano-Stadt an, um in einem Kurs eigene Soba-Nudeln aus frischem Buchweizenmehl zu rollen. Den feierlichen Abschluss bildete der Besuch des berühmten Zenko-ji-Tempels, wo wir Sutren kopierten und an einer traditionellen Goma-Feuerzeremonie teilnehmen durften, bevor es per Zug zurück nach Tokyo und schließlich heimwärts ging.

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