Herbstfarben in Japan: Von Süd nach Nord

Familie Coleman in Japan mit Geoplan Privatreisen

Warum wir unsere Japanreise vorgezogen haben – und es keine Sekunde bereut haben

Verfasst von Jay Michael Colman am 09.06.2026

Es war ein wenig Zufall dabei, dass meine Familie und ich Japan letzten Winter besucht haben. Zwar konnten wir bereits viele Länder der Welt kennenlernen, Japan gehörte allerdings noch nicht dazu. Das Land stand zwar schon lange auf unserer Wunschliste, allerdings ohne besondere Dringlichkeit. Schließlich wird sich das Land in den nächsten Jahren wohl kaum grundlegend verändern. Doch dann haben wir einige Hotelübernachtungen gewonnen und das gab den Ausschlag, eine Reise nach Japan vorzuziehen. Spoiler: Es hat sich gelohnt!

Gestartet haben wir unsere Japanreise ganz im Süden der Inselkette, auf Okinawa. Hier wartete am Flughafen ein Mietauto auf uns, etwas, das in diesem Teil des Landes definitiv von Vorteil ist. Bis zu unserer Unterkunft waren es etwa eine Stunde Fahrt, das nicht wirklich schöne Siedlungsgebiet von Naha zieht sich dabei recht lange. Wenn man es endlich hinter sich gelassen hat, versteht man, wieso die Inseln auch das Hawaii Japans genannt werden: Tropische Vegetation, weiße Sandstrände mit vorgelagerten Korallenriffen und dschungelbewachsene Hügel prägen die Landschaft. Die Insel eignet sich wie erhofft hervorragend, um sich entweder von der langen Anreise zu erholen oder einen Japanurlaub abzuschließen, ohne auf eine gesunde Dosis Japan verzichten zu müssen. Unsere Tage gestalteten sich mit den kleinen Kindern dank sommerlichem Wetter einfach. Oft waren wir an dem Traumstrand fünf Minuten von der Unterkunft entfernt, schnorchelten über bunten Korallen und zwischen Tausenden von Fischen. Wir machten aber auch Ausflüge in die Mangroven oder auf eine benachbarte Insel. Kurz: Der Auftakt war gelungen!

Nach Rückgabe unseres Mietwagens stiegen wir in ein Flugzeug nach Matsuyama. Meine Frau meint gelesen zu haben, dass es hier besonders gute Nudeln gäbe. Die haben wir hier zwar nicht gefunden (die gibt es in Takamatsu), dafür aber ein schönes Schloss auf einem Hügel. Abends haben wir die lebendige Atmosphäre am Meer genossen. Unsere Unterkunft fungierte gleichzeitig als kleine Bierbrauerei und war der perfekte Ort, um mit Japanern ins Gespräch zu kommen. Wir hatten dabei das große Glück, dass ein Brasilianer sowohl Japanisch als auch Englisch konnte. Auf Shikoku weiter brachte uns eine Zugfahrt. Zwar gibt es hier keinen Shinkansen, dafür ist die Strecke landschaftlich umso reizvoller. Hier auf den Hauptinseln herrschte nun Herbst, und der hat es in Japan in sich. Für unser Verständnis spätsommerliches Wetter mit viel Sonne und Temperaturen um die 20 °C trifft auf eine spektakuläre Farbenpracht. Mit fast drei Minuten Verspätung (!) erreichten wir Takamatsu, es sollte aber die einzige Verspätung bleiben. Hier schmecken die Nudeln tatsächlich bestens, der große Garten ist ebenfalls besonders schön.

Um die größte japanische Insel, Honshu, zu erreichen, haben wir uns für einen etwas spezielleren Transport entschieden. Mit der Fähre überqueren wir das mit zahlreichen Inseln verzierte Japanische Seto-Binnenmeer und erreichen die Insel Naoshima. Als wäre sie nicht schon schön genug, findet man hier zahlreiche Kunstwerke und Museen. Am nächsten Tag geht es mit einer Kombination aus Boot und drei verschiedenen Zügen inklusive Shinkansen nach Kyoto, was natürlich perfekt funktioniert. Hier wurde gerade „Peak Foliage“ ausgerufen, dementsprechend gleicht die Stadt einem (gesitteten) Volksfest. Und so prachtvoll, wie sich die Bäume hier verfärben, muss auch gefeiert werden. Überall sind Japaner in Schale geworfen, die sich mit den Blättern fotografieren. Die bekannten Tempel, die hier wirklich eindrucksvoll sind, gerieten fast zu einem Nebenaspekt. Als Teeliebhaber musste eine Teezeremonie in der Altstadt natürlich sein. Ein toller Ort!

Weiter geht es per Zug, wie sonst, in die japanischen Alpen. Der Shinkansen ist eindrücklich, richtig schön wird die Strecke aber im Regionalzug nach Takayama. Wildes Gebirge, tosende Flüsse und ausgedehnte Wälder gehören eben auch zu Japan. Takayama war definitiv der hübscheste Ort unserer Reise: Eine gut erhaltene Altstadt mit urigen Holzfassaden bildet den belebten Ortskern. Etwas außerhalb finden sich idyllische Tempel und Wanderwege.

Um über den Abo-Pass mitten durch die japanischen Alpen zu kommen, benötigt man ein Fahrzeug. In unserem Fall fährt uns ein Bus nach oben, wo wir das spektakuläre Alpenpanorama beim Onsen und mit einem japanischen Curry genießen. Die Straße nach unten windet sich durch die Berge, aus dem Fenster lassen sich wilde Affen beobachten. Der Ort Matsumoto, am Fuße der Alpen gelegen, ist für sein mittelalterliches Schloss bekannt. Ein besonderes Highlight ist die Führung durch das wirklich spektakuläre Schloss mit einem freiwilligen Pensionär, einschließlich Ninja-Show für die Kinder.

Mit einer weiterhin hierzulande unmöglichen Bahnkombination erreichen wir Yamanakako, am Fuße des Fuji gelegen. Die Aussicht vom Ort, vom See und vom Schlafzimmer ist gewaltig: der schneebedeckte Mt. Fuji, zum Greifen nah. Ein Vulkan, so perfekt geformt, dass er nur in Japan stehen könnte – man kann sich kaum sattsehen. Ein großes Kontrastprogramm bietet dann unsere letzte Station: Tokio. Eine riesige Metropole mit vielen Lichtern, Menschen und Sehenswürdigkeiten. Obwohl die Stadt so groß ist, wirkt sie, zumindest als Tourist, nicht gehetzt. Neben klassischen Sehenswürdigkeiten wie dem Kaiserpalast und dem Tempel Senso-ji haben wir auch TeamLab, das Viertel Ueno und das Naturkundemuseum besucht.

Hoffentlich hat man es gemerkt: Uns hat Japan sehr gefallen!

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