Am Strand liegen hölzerne Fischerboote, kaum größer als Ruderboote an einem Badesee. Doch diese hier sind bunt und fantasievoll bemalt und morgens fahren Männer mit ihnen hinaus auf den Atlantik. Aus der Strandbar nebenan sind Gitarrenmusik und Gesang voller Lebenslust, Weltschmerz und Melancholie zu hören. Willkommen auf den Kapverden!
Spätestens seit dem Frühsommer 2026 ist der im Atlantik gelegene Archipel aus neun bewohnten und zahlreichen unbewohnten Inseln einer breiten Öffentlichkeit als sympathische Überraschung im Weltfußball bekannt. Während meiner Reise im Mai hatte das Fußballfieber bereits alle 500.000 Einwohner der Inseln erfasst.
São Vicente: Auf den Spuren der Morna-Musikv
Für mich erfüllte sich gleich am Anfang der Reise ein Herzenswunsch. In Mindelo auf der Insel São Vicente tauchte ich in das Erbe von Cesária Évora ein, einer von mir seit langem bewunderten Sängerin. An ihren Stil angelegte Musik begleitet den Besucher auf allen Wegen; im Autoradio des Taxis, in den Cafés und Bars, beim Besuch einer Gitarrenwerkstatt und abends auf der kleinen Bühne des Restaurants. Mindelo ist nicht ohne Grund die heimliche Kulturhauptstadt der Kapverden. Darüber hinaus bietet die Insel São Vicente vor allem beeindruckende, oft schroffe vulkanische Landschaften sowie Dünen von aus der Sahara herübergewehtem Sand.
Santo Antão: Wandern im grünen Paúl-Tal
Weiter ging es mit einer modernen Fähre hinüber zur Nachbarinsel Santo Antão. Der Südwesten der Insel zeigt sich mit rauen Vulkanlandschaften und bizarren Felsformationen, die bis zu 2.000 Meter hoch sind. Über die historische Passstraße wechselte ich auf die andere Seite der Insel und die Landschaft wurde grüner, die Vegetation üppiger. Nach einer Nacht im Küstenort Ponta do Sol direkt am Atlantik ging es in das wohl grünste Tal der Kapverden – das Paúl-Tal. Eingerahmt wird auch dieses von hohen Felswänden. Eine Wanderung, die es übrigens in unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden gibt, führte mich durch eine tropische Vegetation entlang von Zuckerrohr- und Bananenfeldern, vorbei an Mango- und Papayabäumen und kleinen Kaffeeplantagen. Einfach wunderschön.
Santiago: Geschichte und afrikanisches Flair
Nächste Station meiner Kapverdenreise war die Insel Santiago, zu der mich ein einstündiger Inlandsflug Richtung Süden führte. Das Klima ist hier afrikanischer und das Leben geschäftiger als auf den entspannteren Nordinseln. Praia, die Hauptstadt der Kapverden, ist ein schmucker Ort mit sehenswerten Kolonialbauten, quirligen Märkten und einer belebten Fußgängerzone. Nach einem Mittagsstopp in den Bergen ging es zur Cidade Velha, der früheren Hauptstadt. Über ihr erhebt sich ein pittoreskes portugiesisches Fort aus dem 16. Jahrhundert, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. In den nächsten Tagen erkundete ich die beeindruckenden Landschaften der Serra Malagueta mit traumhaften Ausblicken sowie den wohl schönsten Strand der Insel in Tarrafal.
Mit Sal und Boa Vista gibt es zwei weitere touristisch interessante Inseln, die insbesondere endlose Sandstrände bieten. Dort gibt es deutlich mehr Hotels und Ferienresorts, weshalb sie sich allerdings auch zu Destinationen des Massentourismus entwickeln. Auf den Inseln Santiago, São Vicente, Santo Antão und Fogo hingegen überwiegen kleine Hotels und nette Casas, privat betriebene Gästehäuser, deren Angebote eher für Individualreisende und kleine Gruppen geeignet sind. Sie empfehlen wir den GEOPLAN-Privatreisenden deshalb vorrangig. Die Kapverden sind in jedem Fall ein Reiseziel, das sich zu entdecken lohnt.
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