Japans Höhepunkte im wahrsten Sinne

Wegweiser immer nach oben

Geoplanerin Svea Krause unterwegs in Japan

Verfasst von Svea Krause am 09.07.2024

Lange hatten mein Mann und ich gewartet, dass nach der langen Pandemie die Grenzen zu Japan für Touristen endlich wieder geöffnet werden und so war es dann im Juli 2023 endlich soweit. Wir kannten das Land schon von einer früheren Reise, wollten aber unbedingt nochmal hin, denn es gibt doch so viel zu entdecken. Zudem sollte unsere nächste Reise dorthin etwas ganz Besonderes werden. In erster Linie deswegen, weil wir im Sommer gereist sind, denn die Sommer in Japan sind etwas ganz Eigenes. Hohe Temperaturen kombiniert mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit hat schon etwas. Warum wir dann unbedingt im Sommer hinwollten? Dazu später mehr. Unsere Reise startete wieder mit Tokyo, denn man kann von dieser Mega-Metropolen einfach nicht genug bekommen. Auch hatten wir in der ersten Woche einiges vor. Wir trafen uns gleich zu Beginn mit einer vorgebuchten Reiseleiterein, eine wirklich tolle Frau. Sie sollte uns aber nicht durch die Stadt führen, denn diese kennen wir ja bereits und erkunden nur zu gerne auch mal im Alleingang. Stattdessen aber half Sie uns durch die japanische Bürokratie. Wo wir schon beim ersten besonderen Highlight wären: Wir haben in Japan geheiratet!

 

Was wir dazu getragen haben? Klassisch kurze Hosen und ein luftiges Shirt, denn draußen ist es kaum auszuhalten. Unser Hochzeitsessen: leckere deftige Ramen! Im Anschluss unternahmen wir erstmal eine Bootstour auf dem Sumida-River. Diese endete in Asakusa, wo wir gleich die Chance wahrnahmen, den Tokyo Sky Tree zu erklimmen. Der Ausblick aus einer der höchsten Gebäude der Welt ist einfach nur spektakulär und ich werde mich von solchen Aussichten vermutlich nie satt sehen können. Und apropros erklimmen und hohe Aussichten. Nach dem unglaublich tollen Einstieg in die Reise stand noch in derselben Woche unser nächstes großes Highlight an und der Grund, warum wir im Sommer reisten: die Erklimmung des majestätischen Mt. Fuji (3.776 m)!

 

Aufgrund der Wetterbedingung die um den Mt. Fuji herum herrschen kann, ist die Klettersaison zwischen Juli - September. In aller Frühe ging es also los. Wir trafen uns mit einer Gruppe selbsternannter Bergerklimmern und einigen Organisatoren in Tochomae, einer Station Nahe Shinjuku. In zwei kleineren Bussen verteilt, machten wir uns auf den Weg zum spektakulären Berg. Der Fujisan kann über mehrere Wege erklommen werden. Unsere Tour sollte dem auf der Ostseite gelegenen Subashiri-Trail folgen, drum fuhren wir noch bei einer abenteuerlichen Fahrt bis zur 5. Station des genannten Trails, dem letzten Punkt, den man noch mit Autos oder anderen Vehikeln erreichen kann. Nach Ankunft und einer kurzen Einweisung unserer Tourguides, machten wir uns Kletterfertig (heißt, noch in die Trekkinghose geschlüpft und die Hikingstöcke ausgefahren) und fingen bei ca. 2000 m mit unserem Bergaufstieg an, gute 1770 Höhenmeter vor uns. Unsere Gruppe war recht groß, also war der Beginn eher mit einem Gänsemarsch zu vergleichen. Schritt um Schritt folgte einer nach dem anderen den Guides, durch die noch sehr präsente Waldkrone, einem Schmelz-Flussbett hinauf. Nach der ersten halben Stunde und ziemlich doller Schnappatmung kam der erste Gedanke „ich schaffe das nicht“. Aber nun hat man die Tour gebucht, ist früh aufgestanden, fing ein halbes Jahr vorher an nur noch Treppen zu nehmen und überhaupt mal etwas für die Fitness zu tun, also war der nächste Gedanke sofort „Durchhalten und weiter“. Zum Glück gab es ja noch die ganzen Berghütten, die den Weg säumen. Also nahm ich mir Hütte für Hütte als Etappenziele vor und siehe da, auf einmal war es gar nicht mehr so schwierig.

Die Gruppe löste sich allmählich auf, denn jeder verfolgte sein eigenes Tempo. Und da wir noch am Anfang der Saison standen und der Subashiri-Trail im allgemeinen nicht so doll bewandert ist, waren wir auf mehreren Abschnitten teilweise ganz alleine und konnten die Aussicht ganz für uns genießen. Bei solchen Panoramen vergisst man ganz schnell, wie ausgepowert man eigentlich schon ist. Aber nach ca. 1400 Höhenmeter und etwa 6-7 Stunden erreichten wir endlich unsere Berghütte, in der wir uns noch einmal ausruhen konnten, bevor es mitten in der Nacht weiterging, um den Gipfel zu erklimmen. Punkt 01:45 Uhr in der früh kamen die Guides und weckten uns. Dann hieß es fertig machen, Sachen packen und auf zur letzten Etappe des Aufstiegs. Wir hatten Glück, denn unsere Gruppe folgte nicht dem klassischen Weg, sondern der Absteigsroute, die wir als Teilnehmer der gebuchten Tour exklusiv für die letzten Metern durften. Und die hatten es nochmal ganz schön in sich. Also war auch hier wieder nur Gänsemarsch angesagt, Schritt für Schritt.

 

Finally, um ungefähr kurz nach 4 Uhr, haben wir es geschafft und sind oben angekommen…wie viele andere auch, das Getümmel hat sich sofort bemerkbar gemacht. Nichtsdestotrotz suchten wir uns ein geeignetes Plätzchen, saßen uns hin und genossen erstmal den wunderschönen Sonnenaufgang vom höchsten Punkt des Land der aufgehenden Sonne. Die ganzen Anstrenungen haben sich also absolut gelohnt…aber Moment…da ist ja noch der Abstieg, das Anspruchsvollste an der Erklimmung. Wie auf einer Skipiste, nur langsamer, schlitterte ich mit jedem Schritt immer weiter runter bis wir wieder die 5. Station erreichten, wo auch bereits unser Bus zurück nach Tokyo bereit stand. Komplett übermüdet aber vollkommen zufrieden winkte ich dem Mt. Fuji nochmal zum Abschied, schloss die Augen und genoss ein Nickerchen.

 

Nach ein paar weiteren, diesmal sehr anstrengenden Tage in Tokyo, aufgrund von schmerzenden Beinen gepaart mit schmelzendem Wetter, folgte am Sonntag noch ein weiteres Highlight: unser großes Hochzeitsfotoshooting. Diesmal natürlich nicht nur in kurzen Shorts und leichten Shirts. Dafür haben wir extra eine Fotografin gebucht, mit der wir uns am frühen Abend am Zojoji-Tempel am Tokyo Tower getroffen haben. Die Location war wie ausgestorben, fast schon, als wäre sie extra für uns leergefegt worden! Wir, total nervös, sollten uns direkt in Pose werfen, fing sie auch schon sofort an zu knipsen. Und mit jedem Knips fiel es uns leichter und leichter, selbstverständlich auch mit der tollen Hilfe unserer Fotografin, die genau wusste, wie wir uns platzieren müssen. Vom Tokyo Tower aus, ging es dann mit der Metro nach Shibuya, zum berühmtesten und belebtesten Kreuzungspunkt der Welt, Shibuya Scramble Crossing, denn ich wollte unbedingt ein Bild, mit den vielen Leuchttafeln im Hintergrund. Auch hier liefen wir die Umgebung ab, untermalt von Knips, Knips, Knips. Das Ergebnis kann sich auf alle Fälle sehen lassen und das Shooting selbst hat einen Heidenspaß gemacht. Was für eine tolle Erinnerung!

 

Vollkommen erschöpft von der ersten Woche, verließen wir am darauffolgenden Tag Tokyo mit dem Shinkansen für weitere Entdeckungen. Dafür nutzten wir den beliebten Japan-Rail Pass, mit dem man für einen ausgewählten Zeitraum in Japan so viel Bahn fahren kann, wie man möchte. Unser nächstes Ziel war das ca. 820 km entfernte Hiroshima. Ich wollte mir endlich auch mal ein Bild davon machen, was in der jüngeren japanischen Geschichte geschehen ist. Wie die meisten, die durch Hiroshima reisen, besuchten wir zunächst den Peace Memorial Park mit seinem wirklich eindrücklichen Museum. Begleitet von Schniefern und Schluchzern brachten uns die Ausstellungsstücke die Geschichte zum Atombombenangriff aus dem Jahr 1945 viel näher als wir gedacht hätten und wir bekamen einen viel besseren Eindruck davon, als aus allen Dokumentationen die wir je gesehen haben. Die Stimmung war nun etwas getrübt, deswegen musste am nächsten Tag eine andere Aktivität her. Und was könnte besser sein, als ein Besuch der wunderschönen Insel Miyajima.

 

Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die Tram in der Nähe unseres Hotels direkt nach Miyajima-Guchi fuhr, von wo aus die Fähre direkt übersetzt. Also blieben wir gleich drin und haben uns die Stadt aus einer anderen Perspektive angesehen. In Miyajima-Guchi angekommen, bestiegen wir nun die Fähre, die im JR-Pass sogar inkludiert ist. Sobald wir die Insel betraten, änderte sich die Atmosphäre schlagartig. Hier reihen sich immer noch traditionelle Häuser aneinander, zwischendurch finden sich immer wieder kleinere und größere Ryokans und begrüßt wird man von süßen Hirschen und Rehe. Da wir gerne hochliegende Aussichtspunkte genießen, kamen wir nicht drumrum auch hier wieder den höchsten Punkt zu erreichen. Wir waren aber immer noch ganz schön erschöpft, also schummelten wir etwas und nahmen für Teile der Strecke die Seilbahnen. Der Panoramablick vom Mt. Misen ist einfach nur fantastisch und der Aufstieg lohnt sich. Zurück von der Insel nahmen wir dann ein Schnellboot ab Miyajima, welches uns direkt zum Peace Memorial Park brachte und wir wieder mitten in Hiroshima waren. Am nächsten Tag verließen wir die geschichtsträchtige Stadt und fuhren weiter nach Kyoto.

 

Unser Aufenthalt dort fiel erfreulicherweise auf das Gion-Matsuri, einem traditionellen japanischen Festival. Beim Gion-Matsuri ziehen an zwei Haupttagen,  prachtvolle Festwagen, die sogenannten "Yamaboko", durch die Straßen von Kyoto. Das Festival erstreckt sich über den gesamten Juli und beinhaltet zahlreiche Veranstaltungen wie die "Yoi-yama"-Abende, an denen die festlich geschmückten Wagen und traditionelle Laternen in den Straßen ausgestellt werden. Ein wirklich spannendes Spektakel. Wieder begleitet von Hitze und Feuchtigkeit, standen wir nun an einer dieser Haupttage früh in Kawaramachi und warteten bis Tempel für Tempel an uns vorbei zogen. Untermalt wird die Parade mit alten Glockenklängen und Pfeifenspielen, die einen in eine andere Zeit zurückversetzen. Während der Festivitäten haben wir uns selbstverständlich noch die wichtigsten Stätten wie den Kinkakuji-Tempel, auch bekannt als Goldener Pavillion, oder den Kiyomizudera angeschaut, und da Sommer ist, natürlich immer im farbenfrohen Yukata, einem Sommerkimono. Wer keinen Eigenen besitzt, kann sich überall in der Stadt einen ausleihen und den Tempel-Catwalk Kyotos beschreiten. Auch die Zeit in Kyoto endete langsam, eigentlich schade, ich hätte noch länger bleiben können. Aber auf uns warteten noch ein paar entspannende Tage, auf die ich mich nach der erlebnisreichen Zeit sehr gefreut hatte.

 

Mit der Bahn ging es nun wieder Richtung Tokyo. Kurz nach dem Fuji bogen wir rechts auf die Halbinsel Izu ab und fuhren bis in den Süden nach Izu-Shimoda. Nur noch eine kurze Taxifahrt trennte uns von unseren erholsamen Tagen im Fast-Paradies. Weiße Sandstrände, das Meer so klar wie Glas, das beste Wetter, ein kleiner Ort mit tollen Menschen….und eine verdammte Erkältung. Unser Plan war es, Fahrräder auszuleihen und die Gegend zu erkunden, jetzt sah es aber leider so aus als würden wir nun garnichts unternehmen. Unsere Unterkunft hätte dafür allerdings nicht besser sein können. Ein privates kleines Häuschen, direkt nebenan eine Sauerteig-Pizzeria, in ca. 10 min fußläufig ein Conbini (Convenience Store), nur eine schmale Straße trennte uns vom Strand, also was soll’s, tun wir einfach mal garnichts. Liegen aufgestellt, auf dem Tablet die Lieblingsserie gestartet, entspannt. Am Abend durften wir den, nach langem, schönsten Sternenhimmel inkl. Milchstraße erblicken! Auch hier hätten wir selbstverständlich wieder länger bleiben können, aber es führte kein Weg drumrum, wir mussten wieder aufbrechen, für ein paar letzte Tage in Tokyo. Zurück in Tokyo ging es mir schon wieder besser, beschlossen aber die letzten Tage  auch wieder etwas ruhiger anzugehen. Wir hatten noch ein paar Dinge geplant, wie z.B. den Panoramablick vom Shibuya Sky Tower zu genießen oder zur TeamLABS-Ausstellung Planets zu gehen. Dazwischen füllten wir die Zeit mit Shoppen, Essen gehen und die letzten Münzen in Videospielautomaten zu Verbraten. Auf Odaiba sagten wir, mittlerweile ganz traditionell, der Tokyoter Skyline Auf Wiedersehen...denn es wird nicht das letzte Mal gewesen sein!

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