Saudi-Arabien kannte ich bereits von zwei früheren Reisen, und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – war ich gespannt, was mich diesmal erwarten würde. Denn diesmal stand mit der Region Tabuk ein Gebiet auf dem Programm, das ich noch nicht kannte. Und es hat mich nicht enttäuscht.
Riad im Wandel – Tradition trifft Zukunft
Los ging es in Riad, der Hauptstadt des Königreichs, die mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Eine Stadt, die sich in einem atemberaubenden Tempo verändert und dabei dennoch ihre Identität nicht verliert. Ich habe den neuen King Abdullah Finance District besucht, ein riesiges Stadtentwicklungsprojekt, das Riad als Finanzmetropole des Nahen Ostens etablieren soll – beeindruckend schon allein in seiner schieren Größe. Mit der neuen Metro, die Ende 2024 eröffnet wurde und das gesamte Stadtgebiet vollautomatisch verbindet, ging es dann weiter in die Altstadt, wo das Masmak Fort an die Anfänge des heutigen Saudi-Arabiens erinnert.
Diriyya – Am Ursprung des Königreichs
Am nächsten Morgen stand noch Diriyya selbst auf dem Programm. Die alte, aus Lehmgebäuden bestehende Siedlung am Wadi Hanifa hat etwas zutiefst Stilles und Ergreifendes. Man spürt, wie viel Geschichte in diesen Mauern steckt. Danach ging es per Inlandsflug nach Tabuk – und damit in völliges Neuland für mich.
Tabuk – Saudi-Arabiens spektakuläre unbekannte Seite
Die Region Tabuk im Nordwesten des Landes ist landschaftlich etwas, das ich so nicht erwartet hatte. Am ersten Tag fuhr ich ins Wadi Al Lawz zum Jabal Lawz, einem 2.580 Meter hohen Berg inmitten einer bizarren Landschaft aus Granit- und Sandsteinformationen, die einer anderen Welt zu entstammen scheinen. Die Bibel bezeichnet dieses Gebiet als Midian, und tatsächlich hat die Stille dort etwas fast Biblisches.
Direkt angrenzend liegt Jabal Hisma, dessen Sandsteinformationen sich über Hunderte von Kilometern erstrecken und mich unweigerlich an Wadi Rum in Jordanien erinnert haben – nur weitläufiger, ursprünglicher, noch unberührter. Antike Felszeichnungen und kufische Inschriften aus den ersten Jahrzehnten des Islam finden sich hier überall, und man braucht eine Weile, bis man begreift, dass man gerade durch eine der ältesten bewohnten Landschaften der Menschheit fährt.
Wadi Al-Disah und AlUla – Natur- und Kulturschätze der Wüste
Der nächste Tag führte mich ins Wadi Al-Disah, ein 25 Kilometer langes Tal aus rotem Sandstein mit Palmenoasen, kühlem Schatten und dramatischen Steilwänden – ein Ort, der so malerisch ist, dass er fast unwirklich wirkt. Jahrhundertealte Felszeichnungen und Höhlengräber ziehen sich durch die Canyonwände.
Anschließend reiste ich weiter nach AlUla – eine Region, die ich von meiner letzten Reise kannte und die mich erneut in ihren Bann gezogen hat. Allerdings hatte das Wetter diesmal andere Pläne: Gewitter und Sturm machten uns einen Strich durch die Rechnung, sodass Dadan und die Altstadt leider ausfallen mussten. Schade – aber auch das gehört zum Reisen.
Was ich sehen konnte, hat mich dennoch begeistert: Hegra, das nabatäische Gegenstück zu Petra, das Freilichtmuseum Jabal Ikmah mit seinen Jahrtausende alten Petroglyphen und natürlich die Maraya Concert Hall, das größte vollständig verspiegelte Gebäude der Welt, das inmitten eines Felsentals steht und die Landschaft um sich herum einfach weiterspiegelt, als wäre es gar nicht da. Das Abendessen fand an diesem Abend in einem exklusiven Wüstenrestaurant statt – ein unvergesslicher Abschluss für einen außergewöhnlichen Tag, trotz allem.
Medina – Spirituelle Atmosphäre bei Nacht
Weiter ging es nach Medina, einer der heiligsten Städte des Islam, die seit kurzem auch für Nichtmuslime zugänglich ist. Auch hier zog ein heftiges Gewitter durch, das unseren Zeitplan durcheinanderbrachte – die Besichtigung der Prophetenmoschee verschob sich dadurch auf den späten Abend.
Im Nachhinein war es fast ein Glücksfall: Die Moschee bei Nacht, in diesem gedämpften Licht und mit deutlich weniger Menschen, hat eine ganz eigene, fast meditative Stimmung, die mich tief beeindruckt hat. Die Stadtrundfahrt vorbei an den wichtigsten Moscheen und zum Berg Uhud, wo einst eine der entscheidenden Schlachten der frühen islamischen Geschichte geschlagen wurde, sowie ein Besuch im King Fahd Quran Printing Complex, der jährlich über 10 Millionen Exemplare des Heiligen Korans in unzähligen Sprachen druckt, rundeten den Aufenthalt ab.
Jeddah – Das entspannte Gesicht des Roten Meeres
Die letzte Station war Jeddah, eine geschichtsträchtige Hafenstadt am Roten Meer, die ich schon kannte und die bei mir immer wieder ein Lächeln auslöst. Die Altstadt Al Balad mit ihren Korallensteingebäuden und den kunstvollen Roshan-Balkonen aus Holz, der Spaziergang durch die engen Gassen des Suq Al Alawi, das Nassif-Haus als eindrucksvolles Zeugnis vergangener Handelsblüte – all das hat mich erneut begeistert.
An der Corniche am Roten Meer habe ich den Abend ausklingen lassen, mit Blick auf die King Fahd Fountain, eine der größten Fontänen der Welt, die bei Einbruch der Dunkelheit von Hunderten von Scheinwerfern angestrahlt wird. Abends versammeln sich hier die Einheimischen mit Freunden und Familie, genießen die Meeresbrise – und man selbst mittendrin fühlt sich wie ein ganz normaler Teil dieser Stadt.
Fazit
Saudi-Arabien ist eine Reise, bei der man mit bestimmten Erwartungen anreist und dann überrascht wird – jedes Mal aufs Neue. Diese dritte Reise hat mir eine Region gezeigt, die landschaftlich zu den eindrucksvollsten gehört, die ich je gesehen habe, und die ich jedem empfehlen kann, der auf der Suche nach etwas wirklich Unbekanntem ist.
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