Dem Zauber dieser Stadt kann man sich nur schwer entziehen. Kaum hat man die Stadt betreten, zieht sie einen in ihren Bann. Sie ist ein faszinierender Mix aus Wolkenkratzern, die wie Raumschiffe in den Himmel ragen, und jahrhundertealten Tempeln. Shanghai ist laut und leise, hektisch und spirituell, verspielt und traditionell – und dabei unglaublich modern.
Gleich am Ankunftsabend führte mich mein Weg zum Shanghai Tower. Mit einer Höhe von 632 Metern ist er das zweithöchste Gebäude der Welt. Der Aufzug zählt zu den schnellsten der Welt und befördert Besucher in weniger als einer Minute auf die Aussichtsplattform im 118. Stock. Von dort oben ist der nächtliche Blick auf die glitzernde Stadt und den Huangpu-Fluss im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.
Am nächsten Morgen erwartete mich mit dem Yu-Garten ein Ort, der kaum einen stärkeren Kontrast zu den lauten Straßen Shanghais bilden könnte. Dieses Juwel aus dem 16. Jahrhundert liegt verborgen hinter den geschäftigen Gassen der Altstadt und wirkt wie ein geheimnisvoller Garten aus einer anderen Zeit. Zwischen verträumten Teichen, kunstvoll geschnitzten Pavillons und bizarren Felsformationen taucht man in eine andere Welt ein. Der Garten ist reich an verspielten Details, die einem ein Lächeln entlocken. Ein Beispiel ist die berühmte Zick-Zack-Brücke. Sie ist nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein Symbol für Langlebigkeit und Schutz vor bösen Geistern. Ihre scharfen Winkel und Kurven sind tief in der chinesischen Mythologie verwurzelt: Man glaubt, dass sich böse Geister nur geradlinig fortbewegen können. Wer die Brücke im Zickzack überquert, lässt negative Energien geschickt hinter sich. Darüber hinaus symbolisiert die gewundene Form der Brücke das Prinzip der Langlebigkeit, den unaufhörlichen Fluss des Lebens, der sich in alle Richtungen windet, aber niemals endet.
Als Nächstes besuchte ich den Jade-Buddha-Tempel. Schon beim Betreten der weitläufigen Anlage umfängt einen eine tiefe Ruhe, die einen starken Kontrast zum pulsierenden Leben der Metropole bildet. Der im Jahr 1882 erbaute Tempel beherbergt zwei beeindruckende Buddha-Statuen aus Jade. Besonders beeindruckend ist die fast zwei Meter hohe, sitzende Buddha-Figur aus leuchtend weißer Jade, die aus Burma importiert wurde. Sie besticht durch ihre meisterhafte Verarbeitung. In jedem Detail ist die jahrhundertealte Handwerkskunst förmlich spürbar.
Am folgenden Tag fuhr ich nach Suzhou, das wegen seiner Kanäle oft als das „Venedig des Ostens“ bezeichnet wird und nur eine halbe Stunde mit dem Schnellzug von Shanghai entfernt liegt. Mein Ziel dort war der Tigerhügel. Der Name klingt dramatisch und tatsächlich ranken sich Legenden um einen König, dessen Grab hier einst von einem weißen Tiger bewacht worden sein soll. Ob diese Geschichte wahr ist, sei dahingestellt – die schiefe Pagode auf dem Hügel ist jedoch unbestreitbar spektakulär.
Zum Abschluss meiner Reise unternahm ich einen Ausflug nach Zhouzhuang, wo ich eine historische Wasserstadt entdeckte. Kanäle, alte Steinbrücken und traditionelle Häuser schaffen dort eine nahezu märchenhafte Atmosphäre. Wenn sich am Abend die Lichter der Laternen im Wasser spiegeln und kleine Boote sanft durch die Kanäle gleiten, bietet sich ein idyllischer Einblick in das alte China.
Einen Abend verbrachte ich erneut am Bund, Shanghais berühmter Uferpromenade. Sie ist ein wahres Schaufenster der Geschichte: Auf der einen Seite reihen sich prachtvolle Kolonialbauten aneinander, die an eine andere Epoche erinnern, während auf der anderen Seite die futuristischen Wolkenkratzer von Pudong in den Himmel ragen. Hier reichen sich das alte und das neue China die Hand.
Shanghai, Suzhou und Zhouzhuang haben mir einmal mehr die faszinierende Vielfalt Chinas vor Augen geführt. Es ist ein Land der Gegensätze, das seine Besucher immer wieder überrascht und in seinen Bann zieht. Ob man durch belebte Metropolen schlendert, in die Stille jahrhundertealter Gärten eintaucht oder erlebt, wie modernste Technologie auf uralte Kultur trifft – China ist ein Erlebnis für alle Sinne. Und ich bin mir sicher: Dies war nicht mein letzter Besuch.
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