„Wo fährst du hin? Nach Usbekistan? Gibt es da denn überhaupt etwas zu sehen?“ Das war die übliche Reaktion, wenn ich von meinen Reiseplänen erzählte. Gelegentlich begannen die Augen meines Gegenübers jedoch zu strahlen, denn wer schon einmal dort war, kennt die Schönheit dieses zentralasiatischen Landes.
Nach Armenien ist Usbekistan das zweite Land entlang der Seidenstraße, das ich bereise. Und wer bei der Seidenstraße an blaue Kuppeln, quirlige Basare und Karawanen denkt, die durch die Wüste ziehen, hat – vielleicht ohne es zu wissen – bereits ein Bild von Usbekistan vor Augen.
Erste Eindrücke aus Tashkent
Meine Reise begann in Tashkent, der grünen Hauptstadt des Landes. Nach einem verheerenden Erdbeben in den 1960er-Jahren wurde die Stadt nahezu vollständig neu aufgebaut. Besonders beeindruckt haben mich die vielen Parks und Alleen sowie die Sauberkeit der Stadt. Ein Highlight war der Besuch des Chorsu-Basars, wo von Lebensmitteln über Haushaltswaren bis hin zu Kleidung alles verkauft wird. Zu unserer Ausbeute gehörte ein Trikot der usbekischen Nationalmannschaft, denn wie man uns voller Begeisterung erzählte, nimmt das Land erstmals an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil.
Von der markanten Kuppel des Basars ging es anschließend unter die Erde zu den berühmten Metrostationen Tashkents. Jede von ihnen ist anders gestaltet; manche erinnern eher an einen Ballsaal als an eine U-Bahn-Station.
Samarkand – Das Herz der Seidenstraße
Mit dem modernen Hochgeschwindigkeitszug Afrosiyob fuhren wir weiter nach Samarkand, die einstige Hauptstadt des Reiches von Timur. Verewigt hat sich der legendäre Herrscher in monumentalen Bauwerken wie seinem Mausoleum Gur Emir und dem Registan. Atemberaubend sind auch die unzähligen schimmernden Mosaike und Majoliken der Nekropole Shah-i-Zinda.
Ein besonderes Schauspiel erwartete uns am Abend, als wir die Lichtershow am Registan besuchen wollten: Zeitgleich zogen mehrere Gewitter über die Stadt, sodass die Medresen nicht nur von Scheinwerfern, sondern auch von zuckenden Blitzen erleuchtet wurden.
Ein Abstecher nach Tadschikistan
Ein Tagesausflug führte uns in das bergige Nachbarland Tadschikistan zu den Sieben Seen. Neben dem kristallklaren Wasser der Bergseen begeisterten mich vor allem die Menschen. Immer wieder winkten uns Einheimische fröhlich zu, wenn wir vorbeifuhren.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Mann am Grenzübergang auf dem Rückweg, der uns laut „Hello!“ zurief. Seine Frau fragte ihn daraufhin verwundert, ob er denn überhaupt Englisch könne.
Zu Gast im Nurata-Gebirge
Mit Tashkent und Samarkand ließen wir den urbanen Teil Usbekistans hinter uns und fuhren in das Nurata-Gebirge. Die erste Nacht verbrachten wir im Bergdorf Uhum. Das dortige Gasthaus ist einfach, wird jedoch mit viel Herz geführt. Schon nach kurzer Zeit fühlten wir uns wie ein Teil der Familie.
Am Nachmittag unternahmen wir eine Wanderung zu jahrtausendealten Petroglyphen. Unterwegs begegneten uns Dorfbewohner, Esel, Schafherden – und eine Schlange. Unser junger Führer kommentierte dies trocken mit den Worten: „At this time of the year the snakes come out of their room to change their clothes.“
Plov, Wodka und spontane Freundschaften
Abenteuerlich ging es auch am Abend weiter. Eine lokale Gas-Kooperative rief uns mit einem fröhlichen „Davai, davai!“ an ihren Tisch und teilte großzügig Essen und Wodka mit uns. Gerettet wurden wir schließlich vom Besitzer des Gasthauses, der uns zu einem Kochkurs bat. Dort erfuhren wir, wie das Nationalgericht Plov traditionell zubereitet wird. Am nächsten Morgen wanderten wir weiter in das Nachbardorf Hayat und hatten unterwegs Gelegenheit, die heimischen Bergziegen zu beobachten.
Handwerkskunst auf dem Weg nach Buchara
Entlang des Nurata-Gebirges ging es weiter Richtung Buchara. In Gijduvan legten wir einen Zwischenstopp ein, um mehr über die traditionsreiche Töpferkunst einer lokalen Familie zu erfahren.
In Buchara angekommen, unternahmen wir am Abend einen ersten Spaziergang durch die im goldenen Licht leuchtende Altstadt und aßen direkt am Lyabi Hauz.
Buchara – Wenn die Altstadt erwacht
Anders als in Tashkent und Samarkand liegen die historischen Sehenswürdigkeiten hier dicht beieinander. Beim Schlendern durch die lehmfarbenen Gassen fühlt man sich unweigerlich in die Zeit der Karawanen zurückversetzt.
Besonders empfehlenswert ist eine Übernachtung in einem der zahlreichen Boutique-Hotels. Unser Hotel befand sich in einer ehemaligen Medrese, deren ruhiger Innenhof zum Verweilen einlud.
Seinen wahren Zauber entfaltet Buchara jedoch nach Sonnenuntergang. Dann strömen die Einheimischen auf die Straßen, aus vielen Ecken erklingt Musik, und die beleuchteten Medresen, Minarette und Kuppelbasare schaffen eine fast märchenhafte Atmosphäre.
Durch die Wüste nach Chiwa
Durch die Wüste ging es anschließend vorbei an zwei imposanten Lehmfestungen zum letzten Stopp unserer Reise: der Oasenstadt Chiwa. Die berühmte Handelsstadt widerstand im Laufe ihrer Geschichte zahlreichen Belagerungen und war entlang der Seidenstraße einst auch ein bedeutender Umschlagplatz des Sklavenhandels. Heute gleicht die Altstadt einem großen Freilichtmuseum, dessen Silhouette von eleganten Minaretten geprägt wird.
Der perfekte Abschied von Usbekistan
Besonders beeindruckt haben mich der Palast Tasch Hauli mit seinen reich verzierten Innenhöfen sowie die Juma-Moschee, deren Dach von mehr als 200 geschnitzten Holzsäulen getragen wird, die aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen.
Beim Aufstieg auf das Minarett Islam Khoja empfand ich großen Respekt für den Imam, der einst fünfmal täglich die engen und steilen Stufen erklimmen musste, um zum Gebet zu rufen.
Unser letztes Abendessen genossen wir direkt auf dem Vorplatz des Minaretts. Während der Himmel langsam dunkel wurde, tauchten Scheinwerfer das Bauwerk und die umliegenden Gebäude in warmes Licht und verliehen der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.
Mein Fazit: Ein Land, das überrascht
Insgesamt habe ich Usbekistan als authentisches, sicheres und überraschend vielseitiges Reiseland erlebt. Neben den beeindruckenden Städten und Landschaften waren es vor allem die herzlichen Begegnungen mit den Menschen, die diese Reise unvergesslich gemacht haben. Es wird nicht meine letzte Reise nach Zentralasien gewesen sein.
/katrin_thull_von_geoplan_unterwegs_auf_der_seidenstrasse.jpg)
/catalog.png?1)