Zwischen Tempeln, Katzen und Meeresstraßen

 Hasedera-Tempel, Kamakura

Svea Krause über ihre Eindrücke in Japan

Verfasst von Svea Krause

Im Jahr 2025 hatte ich die Gelegenheit, sowohl beruflich als auch privat viele neue Ecken Japans für mich zu entdecken. So zog es mich nördlich von Tokyo in das charmante Ferienörtchen Karuizawa, in das oft unterschätzte Städtchen Matsumoto, ich erkundete nicht nur Nagoya, sondern auch den kleinen Vorort Inuyama. Außerdem reiste ich nach Shizuoka und in dessen weitläufige Teegebiete sowie in das Tokyo-nahe Kamakura.

Eine weitere Route startete im Höllental-Ort Beppu, führte uns nach Matsuyama, brachte uns per Fahrrad über den beeindruckenden Shimanami Kaidō, ließ uns die Katzenstadt Onomichi entdecken, führte uns in das weniger bekannte Matsue und dem nahegelegenen Izumo-Taisha, zu den Tottori-Sanddünen, weiter in den wunderschönen Onsenort Kinosaki und schließlich auf den alten Postroutenweg Nakasendō. Damit dieser Blog nicht in einem Roman endet, erzähle ich im Folgenden von meinen ganz persönlichen Highlights.

Westlicher Rückzugsort trifft Bergstadt mit Geschichte

Wer das authentische Japan sucht, wird in Karuizawa nicht unbedingt fündig. Stattdessen erwartet einen ein stark westlich geprägter Ort. Der Ursprung liegt in der Ansiedlung christlicher Missionare, die hier Fuß fassten und eine Gemeinde mit mehreren Kirchen gründeten. Später wurde Karuizawa als erholsamer Rückzugsort entdeckt und entwickelte sich rasch zu einem beliebten Ferienort, in dem die Japaner selbst ihrem Alltag entfliehen können. Im Laufe der Zeit entstanden in den umliegenden Wäldern zahlreiche Holzhütten, Villen und Ferienhäuser, die bis heute das Bild eines alpinen, fast europäisch anmutenden Kurortes prägen.

Ich selbst übernachtete im charmanten Longing House, welches man in etwa fünf Minuten per Taxi vom Bahnhof erreicht. Das Hotel erinnert stark an ein deutsches Fachwerkhaus. Zwar ist es etwas kitschig eingerichtet, wirkt aber dennoch sehr heimelig und bewahrt durch japanisch angehauchte Zimmer zumindest ein kleines Stück lokaler Atmosphäre.

Heute ist Karuizawa ein ruhiger Ort zum Abschalten und Erholen, umgeben von Bergen und Wäldern, die sich hervorragend zum Wandern eignen. Die 70 Meter breiten Shiraito-Wasserfälle sind ein absolutes Naturhighlight und leicht mit dem Bus erreichbar. Ornithologen kommen im Wild Bird Sanctuary auf ihre Kosten: Hier lässt sich nicht nur Flora bestaunen, sondern auch über 80 verschiedene Vogelarten beobachten. Allerdings sollte man das Gebiet möglichst nur mit Glöckchen betreten, denn auch japanische Schwarzbären sind hier heimisch. Neben Geschäften mit deutschen Namen, wie dem „Parterre“, dem „Karuizawa Liebling“ oder der „Fressgasse“, findet man kulinarisch zahlreiche westlich geprägte Restaurants, darunter das „Kitzbühl“, dessen Speisekarten, neben japanisch, ausschließlich auf Deutsch gehalten sind. Ansonsten dreht sich hier erstaunlich viel um Äpfel: von Apfeltee über Apfelkuchen, -taschen und -kekse bis hin zu frisch gepresstem Apfelsaft – alles, was das Apfelherz begehrt.

Von Karuizawa aus erreicht man mit einem Umstieg in Nagano das kleine Städtchen Matsumoto, das beinahe mein Herz erobert hätte. Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar, entfaltet jedoch bei näherer Erkundung sein volles Potenzial. Der Besuch der sogenannten Krähenburg, des Matsumoto Castle, ist ein absolutes Muss.

Aufgrund ihrer schwarzen Fassade und der „ausgebreiteten Flügel“ erinnert sie an ihren Namensgeber und zählt zu den wenigen original erhaltenen Burgen Japans, was sie besonders macht. Ein Besuch lohnt sich nicht nur tagsüber, um die Innenräume zu erkunden und von oben einen fantastischen Rundumblick auf die bergige Umgebung zu genießen, sondern auch abends, wenn das Schloss eindrucksvoll illuminiert ist.

Doch Matsumoto hat noch mehr zu bieten. Im Matsumoto Museum lernte ich viel über die Geschichte der Stadt, die früher ein wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt war. Durch ihre Lage war sie nicht nur gut erreichbar, sondern bot dank der umliegenden Berge auch natürlichen Schutz vor Feinden, ein strategischer Vorteil, der maßgeblich zu ihrer Bedeutung beitrug.

Bei ausgiebigen Spaziergängen durch die überschaubare Stadt entdeckte ich zudem die historischen Handelsviertel Nawate und Nakamachi, kleine versteckte Tempelanlagen wie den Fukashi Jinja-Schrein und genoss das lokale Alltagsleben im Agatanomori Park, während sich am Horizont stets die Bergkulisse abzeichnete. Ich werde definitiv wiederkommen.

Spiritualität zwischen Tempeln, Meer und Inselblicken

Eines meiner weiteren Highlights war das spirituelle, wenngleich nicht unbekannte Kamakura. Aufgrund der Nähe zu Tokyo, man benötigt nur etwa eine Stunde mit dem Zug, lässt sich die Region gut als Tagesausflug erkunden. Ich entschied mich jedoch bewusst dafür, mindestens zwei Nächte zu bleiben, um Kamakura in all seinen Facetten kennenzulernen und auch die vorgelagerte Insel Enoshima zu besuchen.

Als ich zur Mittagszeit ankam, empfing mich bereits mein lokaler Guide am Hotel. Nach einem herzlichen Willkommen starteten wir mit einem Spaziergang durch die Nachbarschaft, der uns zunächst zum Lunch führte. Abseits der Touristenströme betraten wir ein unscheinbares Restaurant, das sich harmonisch in die traditionell gebauten Häuser einfügte. Schon hier spürte ich die ruhige, spirituelle Atmosphäre des Ortes. Während unseres Sukiyaki-Lunches genossen wir direkt am Fenster den Blick auf einen japanischen Garten, der einen zur Ruhe kommen lässt und perfekt die harmonische Atmosphäre des Ortes widerspiegelt.

Anschließend besuchten wir die weitläufige Tempelanlage Tsurugaoka Hachimangū, den buddhistischen Hōkō-ji-Tempel mit seinen moosbedeckten Gartenanlagen und wilden Bambusabschnitten sowie natürlich den berühmten Großen Buddha. Mit der nostalgischen Enoden-Line fuhren wir nach Hase, flanierten entlang der Straße mit kleinen lokalen Geschäften, Souvenir- und Essensständen und erreichten schließlich den Kōtoku-in.

Die Tour endete am Yuigahama-Strand, wo wir den Blick auf den bereits fortgeschrittenen Sonnenuntergang genossen. Obwohl es bereits Abend war und einige Geschäfte geschlossen hatten, schlenderte ich später noch durch die Komachi-Street. Sie ist zwar weiterhin belebt, doch die meisten Tagestouristen sind bereits verschwunden, perfekt, um entspannt entlangzulaufen und dennoch ein paar Yen loszuwerden.

Der nächste Tag begann früh, denn erneut traf ich meinen Guide. Wieder ging es mit der Enoden-Line nach Hause, diesmal aber zum Hasedera-Tempel, um den buddhistischen Morgengebeten zu lauschen. Von außen eher unscheinbar, verbirgt sich im Inneren die größte hölzerne Kannon-Statue Japans. Besonders beeindruckend sind ihre vergoldete Fassade und die Legende, nach der zwei Kannon-Statuen geschnitzt wurden. Während eine ihren Platz im Hasedera-Tempel in Nara fand, wurde die andere dem Meer überlassen, Jahre später nahe Kamakura angespült und gab Anlass zum Bau dieses Tempels.

Nach den Gebeten und einem Rundgang über die noch angenehm leere Anlage trennten sich unsere Wege. Ich setzte meine Reise alleine fort und fuhr erneut mit der Enoden-Line weiter nach Enoshima. Einer der Vorteile eines Guides sind seine Geheimtipps: Statt direkt über die Brücke auf die Insel zu laufen, nahm ich zunächst ein kleines Boot, das mich an das andere Ende der Insel brachte.

Von den Iwaya-Höhlen arbeitete ich mich hinauf zur Enoshima Sea Candle, von der sich ein fantastischer Rundumblick auf Meer und Festland bietet, mit etwas Glück sogar bis zum majestätischen Mount Fuji. Über zahlreiche Tempel und Schreine gelangte ich schließlich zur Einkaufsmeile und zurück zur Brücke, auf der mir bereits zahlreiche Tagestouristen entgegenkamen. Dank des frühen Starts hatte ich Enoshima waren mit mir nur wenige Touristen bereits unterwegs.

Mit dem Fahrrad über den Shimanami Kaidō bis ins charmante Onomichi

Auf meiner zweiten Japanreise in diesem Jahr, diesmal privat mit meinem Mann, kamen wir als Fahrrad-Fans nicht umhin, die rund 70 Kilometer des berühmten Shimanami Kaidō mit dem Rad zurückzulegen. Oft wörtlich übersetzt etwa „Meeresstraße“ und der Name macht ihm alle Ehre.

Bewaffnet mit unseren Crossbikes starteten wir in Imabari und erreichten bereits nach wenigen Kilometern die erste beeindruckende Brücke. Der Shimanami Kaidō führt über das Meer und mehrere Inseln der Seto-Inlandseen und verbindet die Hauptinsel Shikoku mit Honshu, dem japanischen Festland. Egal, wohin man blickt, jede Perspektive ist schlicht atemberaubend.

Unsere erste Etappe führte uns bis auf die Ikuchi-Insel in das Örtchen Setoda. Fast wie für Fahrradtouristen gemacht, konnten wir unsere Räder bequem am Hotel abstellen und zunächst das hoteleigene Onsen genießen. Nach der Tour genau das Richtige.

Am nächsten Tag erkundeten wir vor der Weiterfahrt die Tempelanlage Kōsan-ji. Auch wenn man in Japan unzählige Tempel sieht, beweist diese Anlage eindrucksvoll, dass keiner dem anderen gleicht. Auf mehreren Ebenen angelegt, fügt sich jeder Teil harmonisch in die Umgebung ein, umgeben von gepflegten japanischen Gärten. Da wir im Herbst unterwegs waren, wurde das Ganze von einem spektakulären Farbenspiel begleitet. Wer noch eine besondere Aussicht genießen möchte, erklimmt die Hills of Hope, eine aus weißem Marmor bestehende Kunst- und Tempelanlage, die an mediterrane Landschaften erinnert und einen weiten Blick über die Seto-Inlandsee eröffnet. Alternativ wartet die Höhle der tausend Buddhas, ein eindrucksvoller, fast meditativer Ort.

Schließlich erreichten wir nach unserer 2. Etappe über weitere Inseln und Brücken, das kleine, charmante Onomichi, das zu einem meiner persönlichen Highlights wurde. Die Stadt versprüht sofort eine einheimische, lokale Atmosphäre. Die Einkaufsstraße ist gesäumt von liebevollen Geschäften, die neben Alltagsgegenständen viel Kunsthandwerk anbieten.

Auch der angrenzende Hang wirkt zunächst unscheinbar, hat jedoch viel zu bieten. Mit der Seilbahn gelangt man hinauf zum Senko-ji-Tempel, von wo aus sich wieder ein fantastischer Blick über die Seto-Inlandseen und die Umgebung eröffnet. Auf dem Weg nach unten reihen sich Tempelanlagen, alte Wohnhäuser und die berühmte Neko no Hosomichi, die Cat Alley, aneinander. Auch wenn heute mehr Katzenmotive als echte Katzen zu sehen sind, entdeckt man an jeder Ecke neue liebevolle Details. Für Katzenfans ein absolutes Muss, und wer aufmerksam bleibt, begegnet den pelzigen Bewohnern Onomichis dennoch immer wieder. Und wer sie nicht findet, der bemalt im „Onomichi maneki Neko Kobo“ seine eigene Glückskatze.

Entschleunigung zwischen Badehäusern und Flussidylle

Wie es eine meiner Lieblingsbands so treffend singt: „Onsen ikitai“ – „Ich will zum Onsen fahren“. Also nahmen wir uns während unserer Reise fest vor, ein paar Tage in einem klassischen Onsenort zu verbringen. Da es perfekt in unsere Route passte, fiel die Wahl auf Kinosaki Onsen.

Am Anreisetag hatten wir noch einiges unternommen und kamen erst am frühen Abend an. Viele Geschäfte und Attraktionen waren bereits geschlossen, doch das störte uns nicht, wir wollten essen, entspannen und unseren ersten Onsengang genießen. Genau dafür ist dieser Ort wie geschaffen.

Nach dem Check-in in unserem frisch renovierten Ryokan schlüpften wir in unsere Yukata und machten uns auf den Weg zum ersten öffentlichen Badehaus. Zwar verfügte unser Ryokan ebenfalls über einen hoteleigenen Onsen, doch wir wollten die volle Erfahrung: In Kinosaki gibt es insgesamt sieben öffentliche Badehäuser, jedes mit eigenem Charakter. Am nächsten Tag besuchten wir weitere, darunter ein Onsen mit Außenbereich und Blick auf einen Wasserfall, ein herrlicher Anblick.

Doch auch der Ort selbst ist wunderschön. Entlang des Flusses reihen sich Weiden, kleine Brücken und traditionelle Häuser, abends erleuchtet von Laternen. Spaziergänge im Yukata gehören hier genauso dazu wie das gemächliche Schlendern von Badehaus zu Badehaus. Kinosaki entschleunigt ganz automatisch.

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