Die Entdeckung der Ursprünglichkeit – Auf Inforeise in die Japanischen Alpen

Verfasst von Alexander Klapschus am 24.10.2014

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Blog Japanische Alpen
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Ende September nutzte ich die Möglichkeit, mich für einige Tage zu den landschaftlichen und kulturellen Schätzen der Hokuriku-Region auf Infotour zu begeben. Meine Reise führte mich vom beginnenden herbstlichen Deutschland nach Japan, in die pulsierende Hauptstadt Tokyo. Schon die einstündige Bahnfahrt vom Flughafen Tokyo-Narita zur Tokyo Central Station war ein Phänomen. Passierte ich zunächst verschlafenen Wald- und Wohngebiete, wechselt die Szenerie innerhalb weniger Minuten. Ganz plötzlich befand ich mich mitten im bunten Treiben der Metropole, umringt von Wolkenkratzern und Werbeplakaten. Auch wenn gefühlt halb Japan an der Tokyo Central Station umstieg, ging es dennoch geordnet zu. Brav bildeten die Japaner bereits vor Ankunft des Zuges eine Schlange und orientierten sich dabei an den entsprechenden Markierungen auf dem Boden. Hier kann Deutschland noch einiges lernen!

 

Am Abend zog es mich in das Szene- und Vergnügungsviertel Shibuya. Sobald ich den Bahnhof verlassen hatte, stolperte ich in einen farbenfrohen Strudel aus Lichtern, Menschen und Geräuschen. Auf riesigen Leinwänden kann man hier die packenden Kämpfe aktueller Sumo-Meister verfolgen, ebenso wie die neuesten Hits angesagter Boy Bands. Spätestens jetzt war ich wirklich in Japan angekommen. Wer sich über die „vollste Kreuzung der Welt“ auf die Shopping-Boulevards von Shibuya wagt, sollte stets einen Stadtplan bei sich tragen. Glücklicherweise waren in meinem die Standorte internationaler Fastfood-Ketten eingezeichnet, so konnte ich mir entlang der Starbucks-Sterne und McDonalds-Logos meine ganz persönliche Route planen. Auf den Verzehr eines Burgers habe ich natürlich verzichtet und stattdessen zu den kleinen aber feinen Köstlichkeiten der japanischen Küche gegriffen.

 

Am Morgen des nächsten Tages fuhr ich mit dem Joetsu Shinkansen in die Präfektur Niigata, direkt hinein in die Japanischen Alpen. Die Region ist vor allem bekannt als Wintersport-Gebiet mit wunderbaren Bergpanoramen und Schneegarantie. Doch auch in den warmen Jahreszeiten wird neben der bezaubernden Natur ein vielfältiges Programm geboten. Kunstfreunde besuchen das Echigo-Tsumari Art Field, eine Synthese aus natürlichen Landschaften und moderner Architektur. Wanderbegeisterte können zwischen zahlreichen Routen entlang der malerischen Reisterrassen von Yamakoshi wählen. Nicht zuletzt begünstigt die Nähe zum japanischen Meer, dass Sie in Niigata ausgezeichnetes Sea Food serviert bekommen. So konnte ich beim abendlichen Restaurantbesuch das erste Mal Bekanntschaft mit der rohen Fischspezialität „Sashimi“ machen. Mein Fazit: Samtig mild im Geschmack und viel bekömmlicher als erwartet!

 

Nach einer Zwischenübernachtung in der Hafenstadt Naoetsu führte mich die Route am Folgetag zurück in die Berge. Tief versteckt im Flusstal des Shogawa befindet sich das historische Dorf Gokayama. Schon beim Betreten des Ortseingangs fiel mir die eigentümliche Architektur der Wohnhäuser auf. Die im sogenannten Gassho-Stil (Stil der zusammengefalteten Hände) errichteten Strohdächer bedecken nahezu Dreiviertel eines jeden Gebäudes. Dies dient in erster Linie als Schutz vor den Schneemassen, welche für diese Region in den Wintermonaten typisch sind. Da Gokayama bis heute von alten japanischen Bauernfamilien bewohnt wird, besticht der Ort durch seine ursprüngliche Atmosphäre. Obwohl mein Besuch mitten auf den landesweiten Herbstfeiertag „Shunbun no Hi“ fiel, befanden sich nahezu keine Touristen in Gokayama. Somit ist das Shogawa-Tal ein wahrer Geheimtipp für all jene, welche japanische Natur und Kultur ohne Vergnügungspark-Charakter erleben wollen.

 

Der absolute Höhepunkt meiner Reise erwartete mich jedoch in der westjapanischen Provinz Fukui. Nur 20 Autominuten von der Fukui-Station entfernt befindet sich das heilige Zen-Kloster Eiheiji. Seit Jahrhunderten praktizieren die dort ansässigen Mönche die Regeln der Soto-Schule, bei der u. a. das Gehen, Sitzen und Atmen (!) strengen Vorschriften unterliegen.

Bei meinem Besuch wurde ich von einem der wenigen englischsprachigen Lehrlinge des Klosters betreut. Dieser gewährte mir nicht nur Einblicke in den zen-buddhistischen Klosteralltag, sondern ließ mich auch an seiner persönlichen Lebensgeschichte teilhaben. Ehemals erfolgreicher Student der Wirtschaftsinformatik, entschloss er sich aus Liebe zu seinem verstorbenen Großvater, einem überzeugten Zen-Buddhisten, zu einem Studium im Eiheiji-Kloster. Erst dort habe er gelernt, sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren und auf diese Weise geistige Erleuchtung zu erfahren. Nun fühle er sich seinem Großvater näher als je zuvor. Auch ausländischen Gästen bietet das Kloster die Möglichkeit, für 24 Stunden in das Leben eines Zen-Mönches einzutauchen. Morgenmuffel seien jedoch vorgewarnt: Der Tag im Kloster beginnt bereits um 3 Uhr morgens!

 

Meinen letzten Abend in der Hokuriko-Region verbrachte ich bei den Tojinbo-Klippen am Japanischen Meer. Die schroffe Felsküste gepaart mit dem rauschenden Meer ist mit Sicherheit eines der schönsten Fotomotive in ganz Fukui. Ein würdiger Abschluss für eine Reise, auf der ich das vielseitige Japan sowohl von seiner modernsten als auch von seiner ursprünglichsten Seite kennenlernen durfte.

 

Hier geht's zu den Fotos!

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