Geoplanerin Katharina auf Entdeckungsreise durch die ostchinesische Provinz Henan

Verfasst von Katharina Lebschy am 03.07.2017

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Von der Schwanenstadt am Gelben Fluss bis in die

Song Shan-Berge zum Shaolin-Kloster

 

Beim Gedanken an eine China-Reise ist Henan in der Regel nicht die Provinz, die einem zuerst in den Kopf kommt. Denkt man doch viel mehr die Hauptstadt Peking mit der Großen Mauer, das landschaftlich reizvolle Yunnan mit dem Steinwald bei Kunming oder die süßen Pandabären, die in Chengdu besucht werden können. Henan beheimatet mit Kaifeng, Luoyang und Anyang gleich mehrere alte Hauptstädte Chinas und mit den Longmen-Grotten auch eine UNSECO-Welterbestätte. Bedeutend ist die Provinz ebenso wegen Ihrer Lage am Gelben Fluss (Huang He) und an der chinesischen Seidenstraße. Auf meiner einwöchigen Inforeise, die auf Grund des „23. Kultur- und Tourismusfestes des Gelben Flusses“ vom Fremdenverkehrsamt organisiert wurde, durfte ich die wichtigsten Orte von Henan kennenlernen.


Nach der Ankunft in Peking hieß es noch einmal 2 Stunden Richtung Südwesten fliegen, wo sich der internationale Flughafen der Provinzhauptstadt Zhengzhou befindet. Dort empfing uns unsere Reisleiterin „Schneelotus“, die die deutsche Sprache studiert hat und daher relativ gutes Deutsch spricht. Endlich angekommen dachten wir – doch da hatten wir uns getäuscht, denn erst eine ca. 1,5 stündige Fahrt im überraschend sehr komfortablen und klimatisierten chinesischen Schnellzug brachte uns nach Sanmenxia, die „Schwanenstadt“ und einem bei europäischen Besuchern noch nicht sehr bekannten Ort am Gelben Fluss. Als Europäer wird man hier noch sehr interessiert gemustert und gerne als Selfiepartner der Chinesen gewonnen.


Am nächsten Tag ging es gleich morgens zur Ausstellung und Eröffnungsfeier des 23. „Yellow River Culture and Tourism Festival”, dem Anlass der Einladung nach China. Am Nachmittag starteten wir dann mit den Besichtigungen der Umgebung. Es ging zum Hangu-Pass, dem Ort an dem Laozi angeblich seine Lehren verfasste. Auf dem Rückweg hielten wir dann am Swan Lake National Urban Wetland Park - einer von vielen Parkanlagen, die dazu dienen sollen das Klima zu verbessern, in welchen einem kurioser Weise jedoch selten Einheimische begegnen. Chinesen bevorzugen es häufig Parks und andere Attraktionen im „Elektrowagen“ zu besichtigen– dadurch hat hier sogar fast jeder Park einen eigenen Guide, der bei der Einfahrt einfach in den Bus oder das Elektroauto springt und sich nach kurzen Erklärungen wieder am Ausgang verabschiedet.


Am nächsten Tag fuhren wir zum Sanmenxia-Staudamm, der aus der Regierungszeit Maos stammt und als erster Staudamm am Gelben Fluss die Zähmung des Flusses durch die Menschheit symbolisieren sollte. Nach weiteren kurzen Besichtigungen gab es ein typisch chinesisches Mittagessen an einem runden Drehtisch. Die Vielzahl der aufgetischten Gerichte scheint schier kein Ende zu nehmen – von frischem Gemüse über frittierte Pilze bis hin zu Rindermagen und „Fisch mit Schuppe und Auge“ fand sich fast alles auf der Speisetafel. Um als guter Gastgeber zu gelten werden viel mehr Gerichte bestellt als die Gäste essen können, es werden hochwertige Speisen geordert und – ganz entgegen weitläufiger Annahmen – wird in der gehobeneren Küche kein Reis serviert, damit der Gast sich an den exquisiten Delikatessen satt essen kann. Später sahen wir ehemalige traditionelle Wohn-Hofhäuser, das Pit Kiln House in Shanzhou City. Quadratisch angelegte Höfe mit davon ausgehenden Zimmern wurden früher in die Erde eingelassen, damit der Lehm- und Lössboden die Räumlichkeiten in den heißen Sommern kühl hielt. Ebenerdig über der zu besichtigenden, rekonstruierten Wohnanlage wurde eine Art Freizeitpark erschaffen – einer Vorliebe chinesischer Touristen folgend, die sich gerne unterhalten lassen und jede Gelegenheit nutzen, um Fotos von sich und Ihrer Familie an bekannten Orten zu schießen.


Am Folgetag stand dann ein Ortswechsel an, denn es geht zur UNESCO-Welterbestätte bei Luoyang, den Longmen-Grotten. Sie zählen neben den Grotten von Mogao, Dazu und Yungang zu den bedeutendsten buddhistischen Grotten Chinas und ihr Bau wurde von der einzigen weiblichen Kaiserin, Wu Zetian, gefördert. Kaum zu glauben, dass sich auf einer Länge von nur ca. 1 km über 100.000 Statuen Buddhas von ganz klein bis riesengroß befinden. Es finden sich viele Fotomotive, die nicht nur Ausländer, sondern auch viele chinesische Besucher anlocken. Am Abend tauchten wir bei einer Darbietung chinesischen Theaters, das die Geschichte zur Entstehung der Longmen-Grotten erzählt, tiefer in die Kultur des Reichs der Mitte ein. Obwohl das Theater auf Chinesisch war, bot es eine tolle Gelegenheit zu sehen, wie die Chinesen ihre Abende verbringen – wir waren nahezu die einzigen Gäste von auswärts.


Am Tag darauf setzten wir unsere Fahrt nach Gongyi fort, wo eines der ersten imposanten Herrenhäuser der Region errichtet wurde. Im Kangbaiwan´s Manor wandeln wir auf den Spuren der Vergangenheit des chinesischen Adels.


Ein wahres Highlight erwartete uns schließlich bei Dengfeng, wo sich das berühmte buddhistische Shaolin-Kloster befindet. Es liegt malerisch in den Song Shan-Bergen und bietet ein tolles Panorama. Die weitläufige Anlage lädt zu einer entspannten Erkundung ein, z. B. des Pagodenwaldes und der buddhistischen Tempelhallen. Da es die Geburtsstätte des Shaolin-Kung Fu ist, nahmen auch wir an einer beeindruckenden Kung Fu-Performance teil.


Am letzten Tag der Reise stand noch ein Tagesausflug in die ehemalige Kaiserstadt Kaifeng auf dem Programm. Sie hat vieles zu bieten: etwa die Eisenpagode (Pagode des Youguo-Tempels), die in einer wunderschönen Parkanlage eingebettet ist und den Drachen-Pavillion im gleichnamigen Park. Gelohnt hat sich besonders ein eigenständiger Bummel durch die Innenstadt, dessen Highlight ein Entdeckungsspaziergang durch kleine Seitenstraßen war. Man sieht wie die Einwohner tatsächlich leben, wie sie Ihre Wäsche aufhängen, ältere Leute vor dem Haus Mahjong spielen oder Autos gewaschen werden. Gegen Abend schauten wir uns den Millenium City Park an, einen erneut ganz typisch chinesischen Freizeitpark. Bei Anbruch der Dämmerung wurde dort eine beeindruckende Wasser-Show vorgeführt – nicht weniger als ca. 700 Akteure spielten Szenen aus der Geschichte Kaifengs und Chinas nach.


Damit neigte sich eine spannende Zeit im Reich der Mitte auch schon dem Ende zu. Doch es war bestimmt nicht meine letzte, denn China ist einfach unglaublich faszinierend und mehr als nur eine Reise wert.

 

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