Usbekistan - Wo das Apfelmädchen zu Hause ist

Verfasst von Julia Burchard am 07.11.2014

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Ein Mädchen bietet mir in einer Altstadtgasse von Chiva einen Apfel an, ich nehme ihn lachend und bedanke mich: „Rahmat!“. Sie sagt etwas auf usbekisch, aber ich kann nur entschuldigend mit den Schultern zucken. Auch nach 10 Tagen Usbekistan verstand ich noch immer kein Wort der Landessprache. Das Mädchen erzählt weiter, wir gehen ein Stück zusammen und als sich unsere Wege trennen verabschieden wir uns mit der Hand auf dem Herzen.

Begegnungen wie diese sind mir von meiner Reise nach Usbekistan im Gedächtnis geblieben – neben zahllosen blauen Kuppeln, Medresen und Minaretten. So freundlich wie in diesem Land, in dem ich mich kaum verständigen konnte, wurde ich als Reisende bisher nie empfangen. Man freute sich uns zu sehen, war überall sehr stolz uns die beeindruckenden Bauten zu zeigen und brachte uns größten Respekt entgegen. Vielleicht lag es auch daran, dass generell recht wenige Touristen zu sehen waren und dass man nur mit echtem Interesse den Weg in das entlegene Land findet.

Doch von vorn: Zwei Wochen lang war ich mit meiner kleinen Gruppe internationaler Reisender unterwegs durch das Land der türkis-blauen Kacheln. In Begleitung unseres sympathischen Reiseleiters Rustam und des Fahrers Kamil, der sich fast väterlich um uns sorgte, ging es für uns von der Hauptstadt Taschkent nach Samarkand, in das Dorf Sentyab, weiter nach Buchara und dann quer durch die Wüste nach Chiva. Am Ende der Reise standen eine Nacht in einem Jurtencamp und ein kurzer Flug von Nukus zurück nach Taschkent. Die Dramaturgie der Reise war gut gewählt. Von der sowjetisch geprägten Großstadt Taschkent bis in die Kleinstadt Chiva, die einem Freilichtmuseum gleicht, wurde es immer ruhiger, historischer und märchenhafter.

Als ich zu Beginn der Reise auf dem weltberühmten Registan in Samarkand stand war ich überwältigt von der Größe und Schönheit der Medresen und dachte: „Wie soll es jetzt noch besser werden?“ Aber ich kam in den 12 Tagen der Reise aus dem Staunen nicht mehr heraus. Samarkand beeindruckte nicht nur mit dem Registan, sondern auch mit einem antiken Planetarium, einer übergroßen Moschee, einer blau-grünen Nekropole und einem lebendigen Markt mit tausend Leckereien. Nach diesen intensiven Eindrücken ging es für uns in das Dorf Sentyab, wo wir einen Einblick in das ländliche Leben in Usbekistan bekamen. Wir übernachteten in einer freundlichen, familiengeführten Herberge und unternahmen eine kurze Wanderung durch die schroffe Landschaft.

Als nächstes stand Buchara auf dem Programm, eine lebendige Stadt mit einer Vielzahl historischer Monumente. Besonders gut hat mir gefallen, dass sich hier Einheimische und Touristen vermischen, dass die Menschen zwischen den Jahrtausende alten Bauten ihrem Alltag nachgehen. Wir wohnten am Platz Labi Hauz, wo sich täglich gefühlte 15 Brautpaare aufwendig herausgeputzt vor den Medresen fotografieren ließen. Unser Reiseleiter konnte es einrichten, dass wir zum Mittagessen in einem Teehaus saßen, während nebenan in der Moschee Bolo Hauz das Freitagsgebet anstand – die eindringlich rufende Stimme des Muezzins hat mich sehr beeindruckt.

Quer durch die Wüste fuhren wir weiter nach Chiva, das sich noch immer wie eine mittelalterliche Stadt mit einer Mauer umgibt. Zwar sind, wie im ganzen Land, auch in Chiva fast alle Monumente wieder aufgebaut und renoviert, doch beim Durchschreiten der Stadttore fühlte man sich wie in vergangene Jahrhunderte versetzt. Hier reiht sich Moschee an Festung an Medrese und Minarett – quasi jeder Stein erzählt eine Geschichte aus tausend und einer Nacht. Und wenn man ein wenig abseits der Hauptstraße durch die ruhigen Gassen spaziert, dann findet man die besonderen Momente, wie meine Begegnung mit dem Apfelmädchen.

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